Haderer zum 60er: Rehaugen und Poster-Boys

Karikaturist Gerhard Haderer ist ein "Geburtstagsmuffel". Warum es nun dennoch Ausstellungen gibt, und: Wieso er noch nie Strache gezeichnet hat ...

Wem gehören diese Augen? Ein Hinweis liegt im Schotter-besetzten Ohrengehänge. Ein Blick auf den Titel der Karikatur macht einen aber sicher ...

Rehaugen! Nein, danke!, 2008
Zurzeit im Linzer Lentos Museum zu sehen. ... hier wird eine restriktive Ministerin aufs Korn genommen. "Ich bin ja angetreten, um all diesen sehr Satten und sehr Selbstsicheren eine Portion Verunsicherung zu verabreichen," erklärt Karikaturist Gerhard Haderer im APA-Interview seine Mission. Das Kunstmuseum Lentos würdigt erstmals den Linzer Lokalmatador. Zum 60. Geburtstag Gerhard Haderers (29. Mai) werden 32 Werke aus verschiedenen Schaffensperioden des Karikaturisten bis 3. April in einem einzigen Raum zu sehen sein. Unter dem Titel "Haderer bis der Arzt kommt!" wird der Geburtstag des Künstlers im Lauf des Jahres noch in Frankfurt, Krems, Villach und Wien mit verschiedenen Ausstellungen gefeiert.

Goldene Regel für Lottogewinner: Möglichst unauffällig weiterleben, 2008 Den Beginn macht das Lentos in Linz, wo Haderer lebt und arbeitet. Im Rahmen des NextComic-Festivals wird eine von Achim Frenz, dem Leiter des caricatura museum frankfurt, kuratierte Auswahl von Original-Cartoons seiner für deutsche Medien entstandenen Bilder: politische Kommentare und komische Alltagsszenen.

Zwei Jäger, 2006 Eigentlich bezeichnet sich Haderer als "absoluten Geburtstagsmuffel". Er sagt: "Diese Schau ist der Wunsch der anderen und nicht meiner. Ich hab in den letzten zehn Jahren so gut wie nichts mehr an Ausstellungen gemacht, weil ich andere Aktivitäten hatte. Der Sechziger, muss ich sagen, geht mir am Herzen vorbei. Ich hab auch versucht, den runden Fünfziger nicht zu feiern, das ist mir allerdings nicht gelungen. Daher hab ich die Lehren gezogen, und der Sechziger wird jetzt ganz offensiv angegangen (schmunzelt). Politikerporträts wie jenes des "Boys des Monats" und früheren ÖVP-Finanzministers Karl-Heinz Grasser finden in der Ausstellung genauso Platz wie Kritik an der Finanzwelt: Zwei Banker zünden schallend lachend Geldscheine an, gleich daneben stürzt sich ein Kollege mit einem Goldbarren um den Hals in die Tiefe. 

Boy des Monats, 2006 "Woodstock - 40 Jahre später" heißt das Bild, das zwei gealterte Hippies, Hörgerät inklusive, zeigt. Unter einem grauhaarigen Mann mit Nickelbrille steht "John Lennon 70", seine Nachbarin, die "Botox-Pippi", grinst auch mit faltigem Gesicht schelmisch.

Woodstock – 40 Jahre später, 2009 Überdimensional ausgestellt im Lentos ist Haderers "Lachende Priester" mit einer Gruppe ausgelassener Geistlicher. Dabei handle es sich um eine seiner "zeitlosen Arbeiten", erklärte der Karikaturist lapidar.

Fröhliche Priester, 2010 Absolut zeitlos auch dieses Motiv: "Besuch der lieben Verwandten", aus dem Jahr 2009. Als Haderer auch noch für ein österreichisches Nachrichtenmagazin zeichnete, als dieses noch Platz für Karikaturen hatte, entstanden beißend komische und entlarvende Politikerporträts. "Ich schließe niemanden aus, aber manchen existierenden Politikerfiguren kann ich nicht wirklich in die Nasenlöcher schauen", sagt Haderer. Der Karikaturist erklärt: "Bei Herrn Strache beispielsweise wär das unmöglich, ich hab den noch nie gezeichnet. Aber nicht deswegen, weil ich ihn prinzipiell ausschließe, sondern weil es mir einfach widerstrebt, diesen Herrn zu studieren." Angesichts der Weltpolitik ist dem Künstler "in den letzten Jahrzehnten bei vielen Entwicklungen das Lachen im Hals stecken geblieben. Aber ich hab ja erfreulicherweise nicht die Aufgabe über alles witzelnd drübergehen zu müssen, sondern ich kann manchmal schon auch in die Tiefe gehen. Es ist eine Tendenz vorhanden, die schon vor vielen, vielen Jahren erkennbar war und jetzt gerade an der Oberfläche deutlicher wird. Das ist das Problem des Kapitals, das einigen kleinen Teilen der Menschheit zugänglich ist und anderen wieder nicht. Jetzt kulminiert das und ist grade am Brennpunkt".

Wochendausflug, 2010 Über seine zukünftige Arbeit sagt Haderer: "Im Augenblick drängt es mich zum großen Format. 30 Jahre hab ich an der Oberfläche, wenn man so will, herumgeblödelt, tagespolitische Cartoons gezeichnet, auch kleine Geschichten erzählt in Form von Comicstrips. Das wird nach wie vor bleiben, aber die Malerei wird die nächsten Jahren das Generalthema werden. Die Bilder, die im Kopf sind, müssen raus." Weiterhin betreibt er allerdings auch das "Kleinformat", wie sein "Schundheftl" "Moff", das der Linzer als "ein Herzensprojekt" bezeichnet.

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(KURIER.at, APA / tem) Erstellt am
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