EdvardMunchs "Liegender Halbakt I" , 1920.

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Fall Gurlitt
11/28/2013

Gurlitt verweigert Kontakt mit Behörden

Staatsanwaltschaft würde gerne Bilder zurückgeben, aber der Kunsthändlersohn ist nicht erreichbar.

von Georg Leyrer

In dem an Skurrilitäten, Versäumnissen und offenen Fragen ohnehin schon reichen Fall rund um den Münchner Kunstfund gibt es neue verwunderliche Facetten: Der Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt könnte bereits seit Monaten einen Teil seiner Sammlung wieder zurückbekommen haben. Er ist aber laut Angaben der zuständigen Staatsanwaltschaft nicht zu erreichen.

Die zuständige Staatsanwaltschaft hat angegeben, sich schon seit Monaten darum zu bemühen, Gurlitt rund ein Viertel der beschlagnahmten Werke zurückzugeben. Vom 15. Mai an habe es zehn Kontaktversuche gegeben, sagte Nemetz - telefonisch und schriftlich, sagte Staatsanwalt Reinhard Nemetz. Der letzte Versuch war nach Angaben Nemetz' ein Brief vom 23. Oktober. Mitarbeiter seiner Behörde seien sogar bei Gurlitt zu Hause vorbei gefahren, um sicherzugehen, dass bei dem heute 80-Jährigen alles in Ordnung sei.

Trotz dieser Kommunikationsschwierigkeiten ist immer noch geplant, im Gespräch mit Gurlitt einvernehmliche Lösungen für die Bilder der Sammlung zu finden. Die Rechtslage und mögliche juristische Vorgehensweisen werden immer noch höchst unterschiedlich bewertet, eine gesetzlich veranlasste Rückgabe von etwaigen Raubkunst-Werken aus der Sammlung dürfte komplexe juristische Streits hervorrufen. Gurlitt selbst hatte in einem Interview dezidiert gemeint: "Freiwillig gebe ich nichts zurück."

Neue Werke online

Inzwischen wurden weitere 101 Bilder aus der beschlagnahmten Sammlung online gestellt, um etwaige Eigentumsansprüche möglich zu machen. Unter den Werken, die im Verdacht stehen, NS-Raubkunst zu sein, befinden sich Zeichnungen, Aquarelle und Grafiken von Künstlern wie Edgar Degas, Eugene Delacroix, Paul Cezanne, Pablo Picasso, Albrecht Dürer und Honore Daumier. Insgesamt sind damit 219 Bilder aus der Sammlung Gurlitt in der Datenbank www.lostart.de der Koordinierungsstelle Magdeburg gemeldet, wie die Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ am Donnerstag in Berlin mitteilte. Weitere Werke und Konvolute sollen in kurzen Abständen folgen.

Insgesamt werden 593 Bilder auf Raubkunstverdacht hin untersucht. Das ist knapp die Hälfte des Fundes (statt ursprünglich 1406 Werken geht man auf Grund von zusammengefassten Werkgruppen in der Zählung nun von 1280 Bildern aus). 384 Bilder sind höchstwahrscheinlich aus der Aktion "Entartete Kunst", bei der die Nationalsozialisten Bilder der ersten Moderne aus den deutschen Museen entfernen ließen.

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