WIENER STAATSOPER: EISERNER VORHANG 2019/2020 - JUNGWIRTH

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Kultur
11/12/2021

Großer Österreichischer Staatspreis an Künstlerin Martha Jungwirth

Hochdotierte Auszeichnung 2021 wurde der Wienerin zuerkannt.

von Georg Leyrer

Die Künstlerin Martha Jungwirth erhält den Großen Österreichischen Staatspreis. Die höchste Auszeichnung der Republik für ein künstlerisch herausragendes Lebenswerk ist mit 30.000 Euro dotiert und wird auf Vorschlag des Österreichischen Kunstsenats vergeben. Die Verleihung findet am kommenden Montag (15. November) im Leopold Museum statt.

1968 war die Wiener Künstlerin Teil der legendären Ausstellung „Wirklichkeiten“ in der Wiener Secession. Zuletzt setzte sie mit der Gestaltung des Eisernen Vorhangs in der Staatsoper und einer Retrospektive in der Albertina starke Zeichen.

WIENER STAATSOPER: EISERNER VORHANG 2019/2020

Ihre große Liebe gilt seit jeher dem Aquarell, aber auch Ölbilder finden sich in Jungwirths international anerkanntem Werk. 2018 waren auch ihre jüngsten Arbeiten in einer Retrospektive der Albertina zu sehen: Die plastischen Öl-Arbeiten widmeten sich etwa den Unruhen in der Türkei oder dem Werk Vladimir Nabokovs. Jungwirths Werk sei ein ständiges „Hinterfragen von Flächen und Linien“, wie es Kuratorin Antonia Hoerschelmann damals auf den Punkt brachte.

Bekannt wurde die 1940 in Wien geborene Künstlerin 1968 mit der gemeinsamen Ausstellung mit Wolfgang Herzig, Kurt Kocherscheidt, Peter Pongratz und Franz Ringel, als sie als lose Gruppe „Wirklichkeiten“ ein Zeichen gegen das Informel setzten. Dennoch war Jungwirth in dieser Gruppe von Künstlern immer eine Ausnahme, da ihr Werk stets an der Grenze zwischen abstrakter und gegenständlicher Malerei angesiedelt war.

Ihre Zyklen tragen Namen wie „Überschwemmte Ränder“, „Kykladen - mythischer Raum“ oder „Bali“: Und tatsächlich sind es vor allem ihre zahlreichen Reisen - sei es nach Mexiko, Marokko oder zu den griechischen Inseln - von denen Jungwirth ihre Eindrücke mitnimmt. Ihre impulsive Arbeitsweise beschrieb sie einmal damit, beim Malen „nicht zu denken“. „Um die Sache im Fluss zu halten, spielt der Zufall eine große Rolle.“

WIENER STAATSOPER: EISERNER VORHANG 2019/2020 - JUNGWIRTH

Jungwirth studierte von 1956 bis 1963 an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien, wo sie bereits 1967 einen Lehrauftrag erhielt, den sie zehn Jahre lang ausübte. Bereits früh erhielt sie Auszeichnungen wie den Theodor-Körner-Preis (1964) oder den Joan-Miro-Preis (1967). Nach ihren ersten Erfolgen in den 1960er-Jahren ging die Wienerin für einige Monate nach New York. Wieder in Österreich, nahm sie 1977 an der Documenta VI in Kassel teil, ebenso 1982.

„Thematisch kreiste ihr zeichnerisches Werk anfänglich um das soziokulturelle Umfeld der Frau“, hieß es in einem Text der Kunsthalle Krems anlässlich einer 2014 gezeigten Retrospektive. Zyklen mit Titeln wie „Hausfrauen-Maschinen“ (1975) oder „Die Schwarze Küche“ (1976) ließen „feministische Ansätze vermuten; vielmehr jedoch faszinierte Jungwirth dabei das Innenleben von Alltagsgeräten, nicht zuletzt inspiriert durch die Strenge der Architekturzeichnungen eines Mies van der Rohe“. Ihre späteren Arbeiten sind laut dem damaligen Kurator Hans-Peter Wipplinger hingegen „ruhiger, weniger expressiv, aber unglaublich farbintensiv“.

Von 1969 bis zu dessen Tod 1990 war Martha Jungwirth mit dem Kunsthistoriker und Museumsdirektor Alfred Schmeller verheiratet. 2012 wurde sie mit dem Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet, zuletzt erhielt sie den Oskar-Kokoschka-Preis 2018. „Ihre künstlerische Arbeit bewegt sich in einem spannenden, oszillierenden Verhältnis zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, ihre Wahrnehmung der Wirklichkeit spiegelt sich in ihren malerischen Kompositionen wider“, hießt es in der Jurybegründung.

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