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Kultur
09/09/2019

Grafenegg: Furioses Finale eines großartigen Festivals

Kritik. Die Wiener Philharmoniker mit Andrés Orozco-Estrada und Leonidas Kavakos. (Von Helmut Christian Mayer)

Über 50.000 Besucher verzeichnete Grafenegg im abgelaufenen Sommer. Von insgesamt 25 Konzerten am Wolkenturm mussten sieben witterungsbedingt ins Auditorium verlegt werden. Nicht aber, trotz einer wettertechnischen Zitterpartie, das Finale mit den Wiener Philharmonikern, Dirigent Andrés Orozco-Estrada und Stargeiger Leonidas Kavakos.

Dass Leonidas Kavakos zu Recht zu den ganz Großen seiner Zunft zählt, merkte man vom ersten Ton an. Beim höllisch schweren einzigen Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold spielte der Grieche beim Abschlusskonzert des diesjährigen Grafenegg Festivals auf seiner edlen Stradivari alle seine Vorzüge aus.

In dem Werk, in dem der Komponist viel ohrwurmverdächtiges Material aus seinen 18 abendfüllenden Spielfilmen verwendet hat, konnte nicht nur die ausdrucksstarke Frische, die weiche Phrasierung und große Farbpalette seiner Interpretation bestaunt werden sondern auch die souveräne Bewältigung aller technischen Finessen.

Dafür wurde er vom Publikum im vollen Wolkenturm, bei immer wieder einsetzenden Nieselregen, zu Recht auch lautstark bejubelt und gab dafür auch eine Zugabe. Dabei wurde er von den Wiener Philharmoniker unter dem souveränen Andrés Orozco-Estrada ideal begleitet.

Nach der eher selten gespielten symphonischen Dichtung „Die Mittagshexe“ von Antonín Dvorák erlebte man dann seine beliebte neunte Symphonie.

Aus der Neuen Welt

Über zart gedämpften Streicherharmonien erklang im Englischhorn sehnsuchtsvoll die unvergleichlich schöne und melancholische Weise. Sie ertönte wie aus einer „Neuen Welt“ und ist so eingängig und so bekannt geworden, dass sich die Schlagerindustrie ihrer ungeniert bemächtigt hat. Aber nicht nur beim Largo, das vom Komponisten auch als „Legende“ bezeichnet wurde, zeigten die Musiker ihr hochstehendes, qualitätsvolles Musizieren.

Auch bei den vielen dynamischen Ausbrüchen gab es immer wieder tolle Paukenschläge: Bis hin zur abschließenden Apotheose des Finalsatzes mit seinem markanten Thema mit den schmetternden Trompeten und Hörnern wurde musikantisch, vital, spannungsgeladen, mit opernhafter Dramatik und der Weite des Gefühls musiziert. Ein mitreißendes Finale des von Rudolf Buchbinder großartig gestalteten Festivals.

Helmut Christian Mayer