"Amy, komm zurück!" Aber will er das wirklich? Ben Affleck als Ehemann, der nach seiner vermissten Frau (Rosamunde Pike) sucht

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"Gone Girl": Beziehungshölle mit Ben Affleck
10/02/2014

"Gone Girl": Beziehungshölle mit Ben Affleck

In David Finchers kühlem Thriller "Gone Girl – Das perfekte Opfer schnappt die Ehefalle grausam zu. Weiters: "Dracula Untold (3D)" und "Jimmy’s Hall".

Ein Mann streichelt über den Hinterkopf seiner Frau, seiner blonden Frau. Zärtlich fährt er durch ihr Haar, lässt seine Finger darin versinken.

Und was denkt er dabei? "Wenn ich an meine Frau denke", sagt seine sanfte Stimme aus dem Off, "stelle ich mir vor, wie ich ihr den Schädel einschlage und ihr Hirn seziere".

Wer Fincher-Filme kennt, denkt an dieser Stelle vielleicht an "Seven". Und daran, wie Brad Pitt eine Schachtel öffnet und darin den Kopf seiner Frau findet, seiner blonden Frau.

In David Fincher schlägt das Herz der Finsternis des amerikanischen Mainstream-Kinos. Seine Filme sind düster, die Menschen darin zynisch, die Welt Neo-Noir. Seine Prunkstücke – "Seven", "Fight Club", "Zodiac", "The Social Network" – hinterlassen Narben in der Erinnerung. Auch in "Gone Girl" ist Fincher – trotz Ben Affleck und Rosamunde Pike – sein eigener Star. Keine Szene, die nicht bis ins Detail seine Handschrift trägt: Die ungesunde Helligkeit seiner Kleinstadt; die aseptische Sauberkeit im geschmacklosen Designer-Haus, die jede Vorstellung von Gemütlichkeit vergiftet. In Finchers grünbraunstichigen Bildern fühlt sich niemand zu Hause.

Abgründig

"Gone Girl" basiert auf dem Bestseller von Gillian Flynn und wurde von der Autorin für die Leinwand adaptiert. Im Kern handelt es sich um ein häusliches Melodram im Korsett einer abgründigen Mediensatire: Ein Mann namens Nick Dunne (Affleck) kommt nach Hause und findet Kampfspuren. Seine Frau Amy (Pike) ist verschwunden, Blutspritzer deuten auf ein Verbrechen.

Zuerst bedauert die gesamte Kleinstadt den Ehemann, dann wendet sich das Blatt: Ungereimtheiten häufen sich, Nick Dunne gerät ins Sperrfeuer der Medien. Ist er doch nicht der nette Nachbar von nebenan, sondern ein kaltblütiger Mörder?

"Gone Girl" erzählt abwechselnd aus der Perspektive des Mannes und seiner Frau. Ein Tagebuch der Vermissten taucht auf, in dem sie ihre Sicht niederlegt: Aussage steht gegen Aussage. Nick beteuert seine Unschuld, doch die Eintragungen sprechen eine andere Sprache. Amys ersten Notizen – im Film erzählt in Rückblenden – berichten von Liebesglück und der perfekten Ehe. Doch dann geht alles den Bach hinunter. Nick wird vom aufmerksamen Liebhaber zum schlampigen Ehemann. Am Ende muss sich Amy vor ihrem Mann fürchten.

Rosamunde Pike spielt die kühle Blondine (manchmal), als wäre sie aus einem Hitchcock-Film gefallen und bleibt eine Spur unnahbar. Vor allem im Vergleich zu Ben Affleck: Als verschlurfter Normalo-Typ bleibt er einem näher als die schöne Rosamunde. Dieses Ungleichgewicht dämpft anfänglich die Spannung und schlägt später in blutigen Horror um. Präzise wie ein tickendes Uhrwerk spult Fincher seine makellos gebauten Szenen ab. Bis zuletzt sind sie von grimmiger Unterhaltsamkeit, wenn auch einen Hauch zu mechanisch. Mit grausamer Genauigkeit zerlegt Fincher das Konzept der romantischen Liebe und treibt es in den Beziehungswahnsinn. Am Ende poliert er die Oberflächen seiner Bilder bis zur Leblosigkeit – für ein Happy-End des Grauens.

Info: Gone Girl. USA 2014. 149 Min. Von David Fincher. Mit Ben Affleck, Rosamunde Pike.

KURIER-Wertung:

Wenn sich der US-Star Scarlett Johansson durch die tristen Arbeiterviertel von Glasgow bewegt, dann ist es, als würde eine Außerirdische durch die Stadt gehen. Genau so soll es auch sein: Johansson spielt ein Alien auf Männerfang. Junge Burschen können ihr Glück (zu Recht) kaum glauben und klettern zu ihr in den weißen Lieferwagen. Was dann geschieht, muss man gesehen haben.

Jonathan Glazers „Under the Skin“ ist eine aufregende Mischung aus gewagter Science-Fiction, Real-Doku- und Experimentalfilm. Teils mit versteckter Kamera begleitete der Regisseur Johansson durch Schottland und ließ den Star-Körper auf die „normale“ Bevölkerung prallen. Dieser Form des Realismus hält er rätselhaft abstrakten Sequenzen entgegen, in denen Menschen ihre Form verlieren. Ohnehin interessiert sich Glazer für die Oberfläche und deren Tiefe, das schöne Bild und seine Abgründe. Unterfüttert von dem hervorragend fiebrigen Sound von Mica Levi.

Info: Under the Skin. Drama. GB/USA/CH 2013. 108 Min. Von Jonathan Glazer. Mit Scarlett Johansson, J. McWilliams.

KURIER-Wertung:

Dracula als Herr der Fledermäuse

Dracula entsteigt einer Comic-Vorlage, ist verheiratet mit Kind und ein überraschend steiler Zahn: Luke Evans als Blutsauger macht erstaunlich gute Figur in einer formidablen Neuauflage der alten Bram-Stoker-Geschichte. Diesmal kommen die Türken ins Spiel, die kleine Buben brauchen, um Wien zu besetzen. Der Transylvanier Prinz Vlad – zu diesem Zeitpunkt noch normal sterblich – stellt sich ihnen entgegen und schließt dafür einen Pakt mit Ober-Dracula. Dieser fährt seine lange, eingerollte Zunge aus und schleckt Vlad über den Hals.

Danach kann Vlad sich in einen Fledermaus-Schwarm verwandeln und durch das türkische Heer fetzen. Das sieht toll aus. Allerdings darf er drei Tage lang kein menschliches Blut trinken, sonst verfällt seine Seele. Evans spielt Dracula wie einen Junkie auf Entzug. Vollgepumpt mit Spezialeffekten aus dem Computer, entstehen trotzdem ansehnlich schöne Bilder. Allein der Familienkitsch bleibt schwer erträglich.

Info: Dracula Untold (3D). Fantasy 92 Min. USA 2014. Von Gary Shore. Mit Luke Evans, Dominic Cooper, Sarah Gadon.

KURIER-Wertung:

Der Kommunist, der gerne tanzte

Wo andere Reden schwingen, schwingt er das Tanzbein: Jimmy Gralton, charismatischer irischer Kommunistenführer, lockte seine Anhänger mit der Geige in „Jimmy’s Hall“. Dort, in der selbst gebauten Tanzhalle, kann die verarmte Landbevölkerung in den 30er-Jahren nicht nur tanzen, sondern auch Gedichte lesen und Bilder malen. Als eine Art kommunistische Volkshochschule ist die selbst organisierte Veranstaltungshalle sowohl dem bigotten Pfarrer als auch den brutalen Großgrundbesitzern ein Dorn im Auge.

Der berühmte britische Regie-Routinier und Sozialrealist Ken Loach entwirft in seinem moderaten, nicht immer überzeugend gespielten Drama ein liebevolles, wenn auch wenig komplexes Bild von Irlands Landproletariat. Loach erzählt die verbürgte Geschichte von Jimmy Gralton, der als einziger Ire der Geschichte des Landes verwiesen wurde, als warmherziges Loblied der Zivilcourage mit pädagogischen Untertönen.

Info: Jimmy’s Hall. GB/IRL/F 2014. 104 Min. Von Ken Loach. Mit Barry Ward, Simone Kirby, Andrew Scott.

KURIER-Wertung:

"Hüter der Erinnerung"

Die Welt der Zukunft ist frei von Krieg – und Gefühlen. In diesem perfekten Ambiente beginnt ein Junge zu zweifeln. Simple Bestseller-Verfilmung.

KURIER-Wertung:

"Der kleine Nick macht Ferien"

Unrunde Verfilmung der „Kleine-Nick“-Kinderbücher: Harmlose Bubenstreiche und mildes Elterngezänke im französischen Sixties-Look.

KURIER-Wertung:

"Männerhort"

Drei Männer – u.a. Elyas M’Barek und Detlev Buck – flüchten vor ihren Frauen in den Keller.

"Auf den Barockaden"

Doku über den Widerstand gegen die Verbauung des Wiener Augartens von Doris Kittler.

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