Gesichter für die Stadt

Mit seinen Street-Art-Aktionen verleiht der französische Künstler JR Städten ein menschliches Gesicht. Zurzeit beklebt er Hausmauern in Ramallah.

Ramallah, Zentrum des palistinensischen Autonomiegebietes im Westjordanland, ist zurzeit der Ort, an dem der französische Street-Art-Künstler JR seine Arbeiten präsentiert. Schauplatz seiner Ausstellung ist aber kein Museum, keine Galerie, sondern es sind Hausmauern, Brückenpfeiler oder Dächer, an denen er seine Bilder anbringt. Sogar vom Straßenbelag lächeln oder starren einem Menschen entgegen, die man zuvor noch nie gesehen hat. Es sind überdimensionale Fotos, Schwarz-Weiß-Porträts, die der französische Straßenkünstler zeigt. Zu sehen sind Menschen aus Israel und aus den Palästinensergebieten. Das Projekt trägt den Namen "Time is now - Yalla" (arabisch für "Auf geht's"). Dabei lassen sich Menschen fotografieren, deren Porträts dann ganze Straßenzüge schmücken. Der Nahe Osten war für JR schon mal Schauplatz seiner Aktionen. Im Jahr 2005 hatte er ein Projekt in Israel und Palästina realisiert. Für "face2face" porträtierte der Straßenkünstler Einheimische, unabhängig von Religion oder Staatsangehörigkeit und bat sie, für die Kamera Grimassen zu schneiden. Er plakatierte unter anderem auch die Mauer, die Israel und das Westjordanland trennt. Bereits damals ging es dem Künstler um Völkerverständigung. Er wollte damit sagen: Hey, schaut her, auch die Menschen auf der anderen Seite der Mauer lachen und machen Blödsinn. JR zählt neben Banksy zu einem der einflussreichsten Künstler in der Street-Art-Szene. Kunst im öffentlichen Raum will natürlich auch immer eines – Menschen verstören, zum Nachdenken anregen. Menschen werden mit Porträts von anderen Menschen im Alltag konfrontiert. Hier zum Beispiel posiert ein Pärchen vor ihren eigenen Fotos, die kurz zuvor gemacht wurden. Die Fotos werden an Wände tapeziert, sind baulichen Veränderungen, der Witterung ausgesetzt und sind daher vergänglich. Seine überdimensionalen Schwarz-Weiß-Porträts lässt er unter anderem auch auf Bussen anbringen.

Bild: "28 Milliemters - Women are Heroes. Action in Sierra-Leona", February. 2008 Teilweise stellen sich für den Betrachter die Bilder erst dann vollständig zusammen, wenn der Zug vorbei fährt. 

Bild: "28 Millimetres - Women Are Heroes in Kibera Slum", Kenya. 2009 JR spielt in seinen Arbeiten auch stets mit Perspektiven - die Porträts oder Ausschnitte von menschlichen Gesichtern erschließen sich einem in diesem Fall nur aus einer bestimmten Höhe.

Bild: "28 Millimetres - Women Are Heroes in Kibera Slum", Kenya. 2009 Dass er damit auch ganze Viertel "verschönern" kann, sieht man an diesem Beispiel aus Rio de Janiero. Damit lenkt er auch gekonnt viele Blicke auf so manche "Problemzone" und löst damit Diskussionen aus. Wie heißt es so schön auf Arte: "So hab ich das noch nie gesehen".

Bild: 28 Millimetres - Women Are Heroes in the Favela", Rio de Janiero. 2008
(kurier.at / mawe) Erstellt am
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