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Chronik Geschichten mit Geschichte
10/21/2019

Die Lovestory der Lotte Tobisch

Erhard Buschbeck war 37 Jahre älter als sie - und die große Liebe ihres Lebens. Ein Nachtrag zum Nachruf.

von Georg Markus

Vieles wird in diesen Tagen über Lotte Tobisch geschrieben – doch ein Aspekt kommt dabei zu kurz. Das ist die Geschichte der großen Liebe, die ihr Leben bestimmt hat. Einmal hat sie mir von dieser Liebe erzählt.

Lotte Tobisch wollte „wie alle, die zum Theater gehen, eine ganz große Schauspielerin werden“, hat sie erklärt. „Ich war jung, schön und talentiert, und die Welt stand mir offen.“ Sie kam ans Burgtheater, doch statt dort Karriere zu machen, verliebte sie sich. Er hieß Erhard Buschbeck, war Dramaturg an der „Burg“, verheiratet und um 37 Jahre älter als sie. Ihr Kollege Fred Hennings sagte damals: „Ich kenne eigentlich nur zwei große Lovestorys. Die von Romeo und Julia und die vom Buschbeck und der Lotte.“

Er oder ich

Als Erhard Buschbeck 1948 vorübergehend Direktor des Burgtheaters wurde, stand die junge Schauspielerin vor der Alternative „Er oder ich – einer von beiden muss gehen.“ Die Beziehung, sagte sie, „hätte ich unter keinen Umständen geopfert, dazu war die Liebe zu groß“. Aber Direktor und Schauspielerin an einem Theater – das war damals unmöglich. Auch Susi Nicoletti verließ die „Burg“, als ihr Mann Ernst Haeusserman Direktor des Theaters wurde.

Lotte Tobisch, gerade 22 Jahre jung, warf Vertrag und sicheres Einkommen an der ersten Bühne des deutschen Sprachraums hin und trat fortan an kleineren Bühnen auf. Sie hat es nie bereut, denn die zwölf Jahre mit Buschbeck waren, wie sie sagte, „die schönsten Jahre meines Lebens“.

Ans Burgtheater kam sie erst wieder, als Buschbeck 1960 verstorben war. „Mein Ehrgeiz als Schauspielerin“, erzählte sie weiter, „war da aber nicht mehr so groß wie vorher. Ich wurde als junge Frau mit dem Tod konfrontiert, danach hatte vieles, das mir bis dahin wichtig war, einen anderen Stellenwert“.

Mit der großen Karriere war’s vorbei, „ich hatte, als ich ans Burgtheater zurückkehrte, den Anschluss verloren.“

Ihre Traumrolle

Ihr Leben hat durch die Liebe eine ganz andere Richtung genommen, als sie sich das mit 18 vorgestellt hatte. Ihre Traumrolle, die Elisabeth in „Maria Stuart“, hat sie nie bekommen, man hat ihr stattdessen kleinere Rollen anvertraut, die sie auch gerne spielte. Nebenbei war sie Regieassistentin und viele Jahre Betriebsrätin am Burgtheater.

„Ich spielte auch viel Schmarrn und fand mich damit ab, dass mein Jugendtraum, eine zweite Duse zu werden, nicht in Erfüllung ging.“

Die Liebe zu Erhard Buschbeck muss groß gewesen sein, Lotte Tobisch hat nie geheiratet, und auch von anderen Beziehungen ist kaum etwas bekannt.