Gerard Butler in „Greenland 2: Migration“: Raus aus dem Bunker
Gerard Butler und Morena Baccarin in "Greenland 2".
Von Gabriele Flossmann
Bei den jüngsten, auf „Blockbuster“ gebürsteten Hollywood-Produktionen kommt oft Frust auf, über die Unfähigkeit, trotz bahnbrechender Spezialeffekte gute Katastrophenfilme zu drehen. Ihre Macher sehen sie lediglich als visuelle Achterbahnfahrten, zu denen sich Popcorn besonders gut verkauft.
Gegen diesen Trend sind beide Teile von „Greenland“ fast ein Labsal. Vor allem, was die Haltung der Figuren betrifft, die hier viel menschlicher agieren. Allen voran Gerard Butler. Er wirkt wesentlich sympathischer als in den meisten seiner Macho-Rollen, aber er überzeugt nicht so recht als einfacher Mann, der einfach nur überleben will. Er wirkt immer etwas bemüht, trotz Bodenhaftung noch „bigger than life“ zu sein.
In Teil 1 von „Greenland“ spielt er den Ingenieur John Garrett, der von seiner Frau Alison und dem zuckerkranken Sohn Nathan getrennt lebt. Doch der Komet Clarke, der auf die Erde zu stürzen droht, bringt die Familie wieder zusammen, in einem Evakuierungszentrum in Grönland. Inmitten zunehmender Panik und gesellschaftlichem Zusammenbruch beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn ein Hauptfragment des Kometen droht, große Teile des Planeten unbewohnbar zu machen.
Teil 2 erkundet die postapokalyptische Welt nach der Katastrophe. Seit fünf Jahren müssen John, Alison und Nathan – zusammen mit einer Gruppe von Überlebenden – im Bunker ausharren. Die Luft draußen ist radioaktiv verseucht, das Wasser ungenießbar und immer noch stürzen Fragmente des Kometen auf die Erdoberfläche, gefolgt von verheerenden Stürmen. Als schließlich ein gewaltiges Beben den unterirdischen Bau zu zerstören droht, müssen sich John und seine Familie zum einzigen sicher scheinenden Ort auf dem Planeten durchschlagen: zu einem gigantischen Krater, den der Komet Clarke Tausende Meter tief in die einst so liebliche Landschaft Südfrankreichs geschlagen hat.
Familie auf der Flucht: "Greenland 2".
Die Flucht führt John, Alison und Nathan quer durch ein verwüstetes Europa. Hinter den Trümmern zerstörter Häuser und in abgebrannten Wäldern lauern bewaffnete Wegelagerer, die im Kampf um fluchttaugliche Fahrgelegenheiten und die immer rarer werdenden Überlebensmittel vor nichts zurückscheuen. Dass „Greenland“ einen menschlicheren Ansatz wählte, als man ihn sonst in Katastrophenfilmen findet, verleiht dem Film einige Szenen mit unerwarteter Gefühlstiefe. Doch damit gehen auch Probleme einher: gestelzte Dialoge und absurd viele Zufälle, die die Handlung weitertreiben.
Darüber hinaus erinnert das Drehbuch bisweilen auch an ein Opernlibretto, mit oft wiederholten Phrasen – nicht gesungen, sondern gesprochen – und dem lungenkranken Hüsteln einer Hauptfigur, das Verdacht auf deren letales Ende aufkommen lässt. Ungeachtet seiner Schwächen und Grenzen hat der Film Blockbuster-Potenzial, nach der üblichen Special-Effects-Formel: Es kommt nicht darauf an, worum es im Film geht, sondern wie er es erzählt.
INFO: USA 2025. 99 Min. Von Ric Roman Waugh. Mit Gerard Butler, Morena Baccarin.
Kommentare