© Opernzhaus Graz/Werner Kmetitsch

Kritik
10/22/2021

Gelungen: Verdis "La forza del destino“ am Grazer Opernhaus

Matteo Beltrami, erstmals am Pult der Grazer Philharmoniker, trägt die Sänger souverän durch den Abend (Von Helmut Christian Mayer).

Fortuna, die Glücks- und Schicksalsgöttin, findet sich am Eisernen Vorhang des Grazer Opernhauses. Dies animierte Regisseurin Eva-Maria Höckmayr, sie lebendig werden zu lassen.

Schon während der Ouvertüre von Giuseppe Verdis „La forza del destino“, der diesjährigen Eröffnungsproduktion, beginnen sich die Bilder am Eisernen Vorhang zu bewegen, das Rad des Schicksals dreht sich und das Schicksal selbst steigt personifiziert aus dem Bild. Es wird zur Wahrsagerin Preziosilla, die von Mareike Jankowski mit wunderbaren, intensiven Tönen mit flammend roten Haaren und rotem Kleid verkörpert wird.

Strippenzieherin

Sie wird von der deutschen Regisseurin stark aufgewertet und als fast omnipräsente Strippenzieherin in den Mittelpunkt des Geschehens gestellt. Immer wieder greift sie aktiv ins Geschehen ein und lockt die handelnden Personen in ihr meist fatales Schicksal. Auf einem roten Samtkissen trägt sie die Pistole herein und feuert auch den Schuss ab, mit der der Marchese di Calatrava stirbt.

Verdi in Graz
Als erste Premiere der Saison 2021/’22 gab es am Opernhaus Graz Verdis „La forza del destino“. Regie: Eva-Maria Höckmayr, Dirigent: Matteo Beltrami

Produktion
Vorstellungen noch bis 5. Dezember, Termine, Info und Tickets unter oper-graz.com

 

Höckmayr inszeniert den verworrenen Plot um Racheschwüre, Flüche bis zum letalen Ende vor und hinter einem goldenen Rahmen samt Seitenflügeln und arrangiert darin teils die in der Bewegung eingefrorenen Chöre wie Bilder alter Meister. Auf diesem Rahmen werden ständig mit Videos Kulissen und Personen gezeigt (Bühne und Videodesign: Momme Hinrichs, Kostüme: Julia Rösler), wodurch eine mächtige, nur selten überfrachtete Bilderflut entsteht.

Mit großer Intensität und Bandbreite fasziniert Aurelia Florian als dramatische, aber auch zarte, sensible Leonora mit ihrem schönen, dunkel gefärbten Sopran. Mariusz Godlewski ist ein rachsüchtig getriebener Don Carlo mit noblem, aber etwas zu wenig durchschlagskräftigem Bariton. Aldo Di Toro versprüht in der diffizilen Partie des Alvaro viel Schmelz, und verfügt über eine bombensichere Höhe. Gut singt Wilfried Zelinka den Marchese. Samtig hört man Timo Riihonen als Padre Guardiano.

Neven Crnic ist ein kerniger Fra Melitone. Matteo Beltrami, erstmals am Pult der Grazer Philharmoniker, trägt die Sänger souverän durch den Abend und spannt kunstvoll alle musikdramatischen Bögen. Feinfühlig erreicht er reiche farbige Klangschönheit aber auch, nur manchmal zu laute, expressive, zupackende Attacken.

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