© Joseph Cultice

Gespräch
06/29/2021

Garbage-Sängerin Shirley Manson: „Männer haben uns hierher gebracht“

Shirley Manson, Frontfrau der Band Garbage, erzählt, warum sie sich in den Texten des neuen Albums „No Gods No Masters“ vehement gegen das Patriarchat und organisierte Religionen wendet

„Natürlich klinge ich naiv und idealistisch, wenn ich sage, dass der Titel ,Keine Götter keine Gebieter‘ meine Vision für eine bessere Zukunft ist“, stellt Shirley Manson zu Beginn des Interviews mit dem KURIER klar. „Aber ich bin Künstlerin – idealistisch sein ist mein Weltbild.“

Wenn man „No Gods No Masters“ hört, klingt dieses siebente Studio-Album von Garbage ohnehin wenig idealistisch. Mit klaren Worten wendet sich Manson gegen Kapitalismus, Rassismus, Sexismus und Frauenhass.

Musikalisch klingen Manson, Schlagzeuger Butch Vig (Produzent des legendären Nirvana-Albums „Nevermind“) und ihre Freunde so vital und ambitioniert wie schon lange nicht – auch wenn sich ihr Rock-Sound mit pulsierenden Synthesizern, angriffigen Punk-Riffs und gelegentlichen Einschüben von psychedelischen Elementen seit dem Beginn der Karriere mit Hits wie „Queer“ und „Stupid Girl“ in den 90er-Jahren wenig verändert hat.

Auf das auf diesem Album am häufigsten angesprochene Thema steigt Manson, eine in Los Angeles lebende Schottin, gleich mit dem ersten Song „The Men Who Rule The World“ ein. Er entstand, wie alle auf „No Gods No Masters“, vor der Pandemie, also während Donald Trumps Präsidentschaft.

„Das hatte sicher Einfluss auf die Texte“, sagt Manson. „Es war aber nicht nur das. Als Musiker sind wir viel auf Reisen und so wir haben diesen Rechtsruck, der überall auf der Welt gleichzeitig stattfand, hautnah mitbekommen. Überall, wo wir mit den Menschen gesprochen haben, hörten wir davon. Zum Beispiel in El Salvador, wo Frauen, die eine Fehlgeburt hatten, ins Gefängnis kamen, weil ihnen vorgeworfen wurde, abgetrieben zu haben, was dort verboten ist. Aber auch überall sonst hörten wir vom heimtückischen Auftauchen von Rassismus und Homophobie. Das machte mir Angst. Und der Song ,The Men Who Rule The World‘ ist mein Protest gegen die Vorherrschaft der Männer in der Politik, die uns hierher gebracht hat.“

Manson glaubt „nicht unbedingt“, dass Frauen einen besseren Job in der Politik machen würden. Aber: „Ich will eine breitere Repräsentation sehen. Frauen würden eine andere Perspektive und frische Ideen einbringen. Nur ein Beispiel: Die gestiegene Gewalt an Frauen. Die Regierungen tun nichts dazu, nachzuforschen, woran das liegt und unsere Kinder entsprechend anders zu erziehen. Denn Männern ist das kein dringendes Anliegen.“

Ein weiteres Thema, das Manson in dem Album immer wieder und ganz konkret in dem Song „Waiting For God“ anspricht, sind religiöse Institutionen. Manson wuchs in Schottland im Umfeld der presbyterianischen Kirche mit gläubiger Familie auf. In dem Song fragt sie 40 Jahre später, warum es, wenn es einen Gott gibt und der für Gerechtigkeit steht, immer noch den aus der Kolonialzeit resultierenden Rassismus und die Unterdrückung von Ureinwohnern gibt.

,„Ich hatte als Kind einen starken Bezug zu Jesus“, erzählt sie. „Aber mir brach das Herz, als ich draufkam, wie viel Heuchelei und Missbrauch von Macht mit der Kirche verbunden ist. Ich habe ein grobes Problem mit Leuten, die von Gott und Liebe, von Verständnis und Gerechtigkeit reden, aber das Gegenteil davon leben. Es gibt sicher viele Leute, die Güte und Toleranz ausüben. Und das ist meiner Meinung nach die Essenz jedes Glaubens: Sich nicht über andere zu stellen und niemanden dafür zu verurteilen, wie er sein Leben leben will. Aber bei organisierten Religionen sehe ich das nicht in die Praxis umgesetzt.“

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