Gainsbourg-Film: Seine Skandale, seine Frauen

"Je t'aime - moi non plus" war Gainsbourgs größter Hit. Sein Leben voll mit Sex, Skandalen, Nikotin und Alkohol wurde nun erstmals verfilmt.

Er verbrannte vor laufender Kamera einen 500-Franc-Geldschein, um gegen die Konsumgesellschaft zu protestieren und funktionierte Frankreichs Nationalhymne, die Marseillaise, in ein Anti-Kriegslied um. Serge Gainsbourg, einer der bedeutendsten Chansonniers Frankreichs, brauchte die Provokation und den Medienrummel.

Eric Elmosnino spielt Serge Gainsbourg im neuem Film "Gainsbourg". Ebenso legendär wie seine Skandale sind seine Frauen. Mit Brigitte Bardot hatte er eine kurze Affäre. 

Szene aus dem Film "Gainsbourg". Im neuen Film "Gainsbourg", dem ersten Biopic über die französische Legende, ... ... wird die Bardot vom korsischen Model Laetitia Casta verkörpert.

Szene aus dem Film "Gainsbourg". Bis kurz vor seinem Tod im März 1991 machte Gainsbourg Witze über seinen starken Alkohol- und Zigarettenkonsum: "In Alkohol legt man Früchte ein und Fleisch wird geräuchert." Filterlose Gitanes waren seine ständigen Begleiter. "Da Serge nicht so war, wie er sein wollte, suchte er seine Bestätigung durch den Skandal", erklärte seine langjährige Lebensgefährtin und Muse Jane Birkin. Im Film wird Jane Birkin von Lucy Gordon verkörpert. 

Die junge britische Schauspielerin Lucy Gordon hat sich heuer kurz vor ihrem 29. Geburtstag in Paris das Leben genommen. Gainsbourg, der wie ein Besessener arbeitete, komponierte für Brigitte Bardot, Petula Clark und ... ... Juliette Gréco mehrere Erfolgs-Chansons, sang, schrieb Romane, stand vor der Kamera, malte, ... 

Bild: Anna Mouglalis als Juliette Greco in
 "Gainsbourg" ... war Kettenraucher, Gewohnheitstrinker und notorischer Zyniker.

Bild: Szene aus "Gainsbourg" Mit Provokationen und Zynismus reagierte der in Paris geborene Gainsbourg auf die Wunden, die ihm das Leben schon früh zugefügt hatte. Es gab Dinge, die er nie vergaß: Zuerst wollte seine Mutter ihn abtreiben lassen, dann musste er den gelben Judenstern tragen und schließlich flog er wegen Undiszipliniertheit vom Gymnasium. Dass er seine Bilder vernichtete, machte ihm besonders zu schaffen - denn statt Sänger wäre er lieber Maler geworden.

Bild: Szene aus "Gainsbourg" Der als Lucien Ginsburg geborene Künstler war Sohn jüdischer Eltern, die 1921 aus Russland nach Frankreich emigrierten. Er war ein eher schüchterner und kränkelnder Junge. Mit zehn Jahren interessierte er sich für die schönen Künste, sieben Jahre später schrieb er sich in die Akademie Montmartre ein, wo er bei dem Maler und Bildhauer Jacob Pakciarz Unterricht nahm. 

Bild: Szene aus "Gainsbourg" Er schuf vor allem Landschaften und Stillleben, einige verschenkte er, die meisten jedoch zerstörte er. "Ich wollte meine Bilder nicht verkaufen, in der Malerei war ich unbestechlich", sagte Gainsbourg 1976 in einem Radiointerview. Um seinen Unterhalt zu verdienen, griff er zur Gitarre und tingelte durch die Pariser Bars und Nachtkneipen - mit viel Erfolg.

Bild: Szene aus "Gainsbourg" Da er den erhofften Durchbruch in der Malerei nicht so schnell schaffte, wie er wollte, gab er sie auf. Jahre später schien er diese Entscheidung zu bereuen: "Die Malerei hat mich geprägt. Ich habe darin eine höhere Kunst gefunden, die mich intellektuell ausglich. Das Singen und der Erfolg jedoch haben mich ins Wanken gebracht. Ich war mit der Malerei glücklich, ich habe die Malerei geliebt", gestand er 1974. Der Maler Ginsburg war schüchtern, der Chansonnier Gainsbourg ein Provokateur. Vor allem ab den 80er Jahren suchte er den Streit und die Herausforderung. In einer Fernsehsendung machte er der amerikanischen Popdiva Whitney Houston vulgäre Angebote und trat betrunken in Fernsehshows auf.

Bild: Szene aus "Gainsbourg" Gainsbourg war nie besonders gepflegter und gut aussehend. Die Franzosen nannten ihn deshalb auch "Den Mann mit dem Kohlkopf". Doch in diesen Jahren begann er, sich völlig zu vernachlässigen: Er war unrasiert, meist ungekämmt und hatte ständig eine Zigarette im Mundwinkel hängen.

Bild: Szene aus "Gainsbourg" "Serge sorgte für Skandale, weil er die Schlagzeilen brauchte. Dadurch hatte er das Gefühl zu existieren", sagte Jane Birkin. 

Bild: Szene aus dem Film "Swimmingpool" (neben Jane Birkin spielten darin Alain Delon und Romy Schneider). Aus der Beziehung mit Jane Birkin ging seine Tochter Charlotte Gainsbourg hervor, die mittlerweile als Schauspielerin (u.a. "Antichrist") und Sängerin großen Erfolg hat. Als Serge Gainsbourg 1991 im Alter von 62 Jahren in Paris verstarb, schrieb Frankreichs Presse: "Lucien Ginsburg ist tot, Serge Gainsbourg lebt ewig."
Fast zwanzig Jahre danach hat sich ein Kino-Novize, nämlich der studierte Philosoph Joann Sfar, an die Verfilmung der Biografie Gainsbourgs herangewagt.  


Bild: Szene aus "Gainsbourg" "Ich habe Serge immer bewundert und hatte meine ganz eigene Vorstellung eines Porträts von ihm im Kopf. Ich war einfach naiv und habe mich einfach darauf eingelassen", sagt der Regisseur.  Gainsbourg sei für ihn "wie der Rattenfänger von Hameln: Er kommt ins Dorf, macht Musik, ist anders. Irgendwie abartig und deshalb faszinierend. Er fängt sie damit. Er tut genau das, was Mütter ihren Kindern verbieten wollen, meint Regisseur Joann Sfar.  

Bild: Szene aus "Gainsbourg" Er habe bewusst am Mythos des machohaften Nationalhelden gekratzt, sagt er weiter: "Bei mir hat Gainsbourg diesen Don-Juanismus, der Franzosen in den Fünfzigern als Klischee anhaftete, nicht. Er ist immer in einem Zustand der Zerbrechlichkeit, der Unsicherheit. Ich habe mich da ganz auf meine eigenen Erinnerungen verlassen." 

Bild: Szene aus "Gainsbourg"
(KURIER.at / tem, S.L.) Erstellt am
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