Kultur
22.06.2018

Fredrich Hahn. Beruhigender Blick auf die Hausfassade

Einmal noch einen jungen Menschen sich suchen lassen: der Roman "Sonja und die weißen Schatten".

Weiße Schatten, das sind die Spuren von Bildern, die nicht mehr hängen. Sonja hinterlässt welche im Elternhaus, die Poster sind weggebracht worden.  Sonja ist ab sofort eine EPF, eine Ein-Personen-Familie. Weil sie in eine WG übersiedelt, weil sie nicht mehr Tennis spielt, nicht als Leistungssport   – wozu sie von ihrer Mutter gedrängt worden war. Malen will sie.

Vieles wird neu bei der 17-Jährigen,  und wenn’s ihr zu viel wird,  stiert sie auf die gegenüberliegende Hauswand und denkt: Hausfassaden sehen aus, als würden sie auf etwas warten. Wie der Wald. Der wartet auch.
Es ist immer ein klüger machendes, Augen öffnendes Vergnügen, dem Waldviertler Schriftsteller und Maler Friedrich Hahn (Bild oben) zu folgen. 66 ist er geworden, und einmal noch wollte er jung sein, wollte er einen jungen Menschen sich suchen und sich finden lassen. Sonjas Blick wird klar. Sie spürt Liebe.  Ab einem gewissen Punkt sind Eltern am besten, wenn sie verschwinden.

 


Friedrich Hahn:
„Sonja
und die weißen Schatten“
Edition Keiper.
100 Seiten.
18 Euro.

KURIER-Wertung: *** und ein halber Stern