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Goldene Muschel
09/30/2012

Francois Ozon gewinnt in San Sebastian

Der französische Regisseur setzte sich gegen spanische Schwarz-Weiß-Filme durch und gewann die "Goldene Muschel" des Filmfestivals.

Nach vielen Jahren waren sich auf dem Internationalen Filmfestival von San Sebastian Jury, Publikum und die Presse endlich mal wieder einig: Als der französische Regisseur Francois Ozon am Samstagabend die Bühne des Kursaals betrat, um auf der 60. Festivalausgabe für seinen Streifen "Dans la maison" (Zu Hause) die Goldene Muschel als bester Film entgegen zu nehmen, applaudierte nicht nur das Publikum minutenlang über die Entscheidung. Auch im Pressesaal standen die Journalisten geschlossen auf und feierten den französischen Filmemacher.

Unter den insgesamt 14 Festivalbeiträgen im offiziellen Wettbewerb befand sich auch die österreichische Filmemacherin Barbara Albert mit ihrem neuesten Film "Die Lebenden". Die Konkurrenz war für die Regisseurin von Filmen wie "Nordrand", "Böse Zellen" oder "Fallen" allerdings zu stark. Mit der Doku "Kern", einem Porträt des Filmemachers Peter Kern von Veronika Franz und Severin Fiala, war in der Schiene "Zabaltegi Specials" noch ein zweiter österreichischer Beitrag in San Sebastian zu sehen.

Witzig-unterhaltsamer Thriller

Neben beeindruckenden Streifen wie "Rhino season" von Bahman Ghobadi oder "The Attack" des Libanesen Ziad Doueiri, überzeugte vor allem der Festivalgewinner "Dans la maison", der auch den Preis für beste Drehbuch erhielt. Der Film über die Freundschaft zwischen einem Lehrer und einem literarisch begabten Schüler erzählt auf spannende und gleichzeitig witzig-unterhaltsame Weise von den Problemen, Wünschen und der Persönlichkeitsfindung pubertierender Jugendlicher. Ozon widmete seinen Preis den spanischen Filmemachern, die sich aufgrund drastischer Sparmaßnahmen seitens der spanischen Regierung im Kampf gegen die Wirtschaftskrise "in einer schwierigen Lage" befänden. Auch der spanische Regisseur Pablo Berger sprach die "harten Zeiten für Filmemacher" in Spanien an, rief jedoch zum Optimismus auf.

Dazu hatte er aber auch allen Grund. Sein in Schwarz-Weiß gedrehter Stummfilm "Blancanieves" (Schneewittchen), der mit Ozons "Zu Hause" als Favorit galt, wurde vor zwei Tagen nicht nur für Spanien ins Rennen um die nicht-englischsprachigen Oscars geschickt. Berger erhielt für seine hinreißende Märchengeschichte in San Sebastian auch den begehrten Sonderpreis der Jury. Zu Recht ließ sich Berger feiern: Ein Märchen für alle Altersstufen, gut erzählt, beeindruckende Bilder, grandiose Schauspieler. Leider hat Berger das Pech, als Nachäffer des letzten Oscar-Gewinners "The Artist" zu erscheinen, dabei hatte er seine sehr spanische Stierkämpfer-Schneewittchen Verfilmung bereits vor acht Jahren angefangen.

Auch der dritte Festivalfavorit, der große spanische Filmemacher Fernando Trueba, ging mit seinem beeindruckenden Drama "Der Künstler und das Model" nicht leer aus und erhielt die Silberne Muschel für die beste Regie. Die einzige Überraschung des Abends gab es, als nicht Maribel Verdu als "böse Stiefmutter" in "Schneewittchen", sondern ihre Filmpartnerin Macarena Garcia, das "Schneewittchen", die Silberne Muschel als beste Darstellerin erhielt. Das Gute siegt im Märchen eben immer über das Böse. Garcia musste sich die Auszeichnung allerdings mit der Kanadierin Katie Coseni aus "Foxfire" teilen. Die Silberne Muschel für den besten Schauspieler ging mit Jose Sacristan aus dem Streifen "El muerto y ser feliz" ebenfalls an einen Spanier.

Hollywood in Nordspanien

Dennoch war das Filmfestival in der nordspanischen Küstenstadt in diesem Jahr weniger "spanisch" als in den Vorjahren. Viel mehr hatte man zur 60. Jubiläumsausgabe das Gefühl, in Hollywood zu sein. Richard Gere, Susan Sarandon, Penelope Cruz, Monica Bellucci und Ben Affleck waren angereist. John Travolta, Tommy Lee Jones und Ewan McGregor erhielten den "Donostia-Award” für ihre Filmkarrieren und Kult-Regisseur Oliver Stone den Sonderpreis der Jubiläumsausgabe.

Die gleiche Auszeichnung ging auf der Abschlussgala auch an Dustin Hoffman, der mit "Das Quartett" am Samstag in San Sebastian sein Regiedebüt vorstellte. Doch war Hoffman so von seinem Award begeistert, dass er auf die Präsentation des Films im Anschluss an die Gala ganz vergaß. So musste er also nochmals auf die Bühne. Neben Francois Ozon gehörten die Sympathien und der rote Teppich vor allem ihm.

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