Die britische Musikerin FKA twigs alias Tahliah Barnett

© /Dominic Sheldon

FKA twigs: Pop nah am Abgrund
08/25/2014

FKA twigs: Pop nah am Abgrund

Die britische Musikerin legt mit "LP1" ein herausragendes Album vor.

von Georg Leyrer

Dass alles fließt, ist a) längst Binsenweisheit und b) falsch.

Auf die Popmusik aber, so muss man konstatieren, trifft es zu. In wohl zunehmendem Ausmaß: Die strömt aus dem Pauschalabo oder der Video-Playlist vor sich hin. Wird dabei ständig automatisch den Vorlieben des Hörers angepasst. Und versickert dennoch allzu oft irgendwo auf dem Weg zum Ohr.

Umso dankbarer darf man sein, wenn sich Musik diesem Fluss verweigert. Und zwar vehement. Umso dankbarer darf man also für jene Songs sein, die auf einem mit frecher Schlichtheit " LP1" benannten Album erschienen sind. Es sind rücksichtslos in Einzelteile zerhaute und ebenso rücksichtslos wieder zusammengefügte Songs, die irgendwo zwischen TripHop, Kate Bush und R’n’B geboren wurden.

Künstlich

Aus denen aber etwas geworden ist, das man so noch kaum gehört hat: Künstliche , abstrakte Erwachsenenmusik, die, entspannt und verspielt, komplex und eindringlich zugleich, zeigt, wo Pop heute sein könnte, ja: sein müsste, wenn er dafür nicht zu feig geworden wäre.

Musik also, die weiß, welches Jahr wir schreiben.

Das Ganze ist in so hohem Maße gesamtkünstlerisch durchwirkt, dass sogar die Schreibweise der Musikerin wichtig ist, von der die Songs stammen. Also bitte: FKA twigs hat ein herausragendes – und in fast unüblichem Konsens gefeiertes – Album des Sommers abgeliefert.

Die 25-jährige Britin mit jamaikanisch-spanischen Wurzeln wurde dafür in ihrer Heimat schon zur aufregendsten Künstlerin der Welt ausgerufen. Und ist trotz dieser Aufmerksamkeit auch Liebling auf den Onlineplattformen für jene fortgeschrittenen Pophörer, für die der künstlerische Ausverkauf schon bei 200 abgesetzten Tonträgern beginnt.

FKA twigs heißt eigentlich Tahliah Barnett, war Tänzerin. Und macht jetzt ein unauflösbares Gesamtprodukt aus Musik und – man schaue die bisher veröffentlichten Videos nach – Optik, das zugleich sowohl die kühlen und die heißen Orte der Emotion anspricht. Hier geht’s, zu um sich selbst kreisenden Beats, um Sex und die Stadt, aber nicht auf Frauenzeitschriftskolumnenniveau.

" LP 1" ist eine Musik gewordene Herausforderung: Hier liegen Zorn und Schmerz und Betäubung und Lust und Kunst ganz nah beieinander. Das muss man (an-)hören.

KURIER-Wertung:

"LP1" zum Nachhören

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