Auf dem Weg zum Millionengewinn: Bruce Dern wurde dafür in Cannes bester Darsteller

© MERIE W. WALLACE /Polyfilm

"Nebraska": Ein Monolith marschiert
02/05/2014

"Nebraska": Ein Monolith marschiert

Alexander Paynes betörendes, sechsfach oscarnominiertes Roadmovie. Weiters: "Dallas Buyers Club" und "RoboCop"

Nebraska, man muss es sagen, ist für nichts berühmt. Sieht man von einem merkwürdigen Felsen ab und einem Song (für den allerdings Bruce Springsteen berühmt ist). Ansonsten nur Kukuruz und Landmaschinen und Männer, die nach dem Gebrauch von Landmaschinen für den Kukuruz abends Bier trinken gehen.

Ja, „Nebraska“ führt uns in den tiefsten mittleren Westen der USA, in die Ödnis der Provinz, in die Heimat von Regisseur Alexander Payne.

Nach seinen Ausflügen nach Kalifornien („Sideways“, 2004) und Hawaii („The Descendants“, 2011) hat Payne dorthin zurückgefunden, wo er auch seine ersten drei Filme („About Schmidt“ etwa) drehte. Es ist Herbst, es ist kalt, die Tristesse der Landschaft entfaltet sich in den Grautönen der Schwarz-Weiß-Bilder.

Schwarze Kühe auf grauen Feldern, weiße Autos auf grauen Landstraßen, ein alter Mann mit wirrem weißen Haar, der geht und geht. Wo sonst nur Autos fahren, stakst und stolpert er voran, vorbei an Industriegebäuden, Autohäusern, Tankstellen. Woody Grant geht und geht, um sich eine Million Dollar abzuholen, die er gewonnen hat. Glaubt er zumindest, schließlich steht es so auf dem mit seinem Namen bezeichneten Werbebrief eines Zeitschriften-Abodienstes. Also macht er sich, in seinen höheren Siebzigern, ohne Führerschein und als Gewohnheitstrinker, zu Fuß auf nach Lincoln, wo der Brief abgeschickt wurde.

Ja, man muss seine Geschichte langsam erzählen, so langsam, wie sie einem auf der Leinwand entgegenkommt. Öfter noch wird Woody losziehen und zurückgebracht werden. Zurück zu seiner ewig keppelnden Ehefrau (gruselig großartig: June Aquibb), die ein Heim für ihn am besten fände.

Hat der Mann Alzheimer? Oder braucht er, der sich zeitlebens gutmütig übers Ohr hauen hat lassen, einfach noch einmal ein Ziel im Leben? Der zweitgeborene Sohn erbarmt sich des Vaters und fährt mit ihm los. Vielleicht auf eine letzte gemeinsame Reise, vielleicht um dem Vater, diesem Sturkopf, noch einmal zu begegnen, bevor dessen Gehirn in den endgültigen Ruhestand geht.

Groteske

Viel wird auf der Reise passieren: In Woodys Geburtskaff Hawthorne etwa, wo Vater und Sohn pausieren, macht die Kunde von Woodys plötzlichem Reichtum die Runde, lauern eine groteske Verwandtschaft und alte falsche Freunde (fantastisch: Stacey Keach). Wie halb tote Aasgeier kreisen sie um ihn und sein angebliches Geld, jederzeit bereit, sich auf ihn zu stürzen. Alexander Paynes Roadmovie führt nicht nur durch die Landschaft Nebraskas, sondern auch durch eine Familien- und Dorfgeschichte. Das ist manchmal zum Auflachen komisch (wenn etwa dritte Zähne dringend am Bahngleis gesucht werden) oder tränendrüsentreibend traurig.

Es geht um viel: die letzte Würde, einen letzten Kompressor, Vater und Sohn, die Depression einer Gesellschaft. Eine betörende Kinoreise, die unaufdringlich auch Filmgeschichte mitfahren lässt. „Nebraska“ kommt ohne plakative Stars aus; stattdessen gruppieren sich kultisch verehrte Namen (wie Stacey Keach, der hier Karaoke singen darf) um den großartigen Bruce Dern, der prompt in Cannes den Preis als Bester Darsteller gewann und dem nun eine von sechs Oscarnominierungen gilt. Wie ein Monolith marschiert er als demenzkranker Woody durch die Welt, taucht auf und ab, unerreichbar vielleicht manchmal, ergreifend unantastbar immer.

KURIER-Wertung:

INFO: "Nebraska". USA 2013. 118 Min. Von Alexander Payne. Mit Bruce Dern, Stacey Keach.

Der unglaublichste Karrierewechsel Hollywoods als Rodeoreiter & Aidsrebell

Es gelang ihm mit Maniokwurzel-Pudding. Wochenlang hatte sich Matthew McConaughey angeblich davon ernährt, um für seine Rolle in „Dallas Buyers Club“ abzumagern. Mit Haut und Knochen brilliert er nun in der Lebensgeschichte von Aids-Patient Ron Woodroof. Der hatte in den Aids-Panik-Jahren der frühen 80er nicht genehmigte Medikamente von Mexiko nach Texas geschmuggelt, um sich und anderen HIV-Infizierten das Leben zu verlängern.

Der Film erzählt anfangs rotzig, später auf den Oscar bedacht korrekt, wie aus dem Schwulen verachtenden kleinkriminellen Macho und Rodeo-Reiter ein braver Bürgerrechtskämpfer und bester Freund von Transvestiten wird. Zuletzt nur auf romantische Komödien abonniert, hat Matthew McConaughey damit den wohl unglaublichsten Imagewechsel Hollywoods vollzogen. Begleitet vom unvergesslichen Auftritt in Scorseses „Wolf of Wall Street“: als Börsenmakler, der sich den rituellen Schlachtruf des Börsendschungel wie ein Affe auf die Brust klopft. Der Oscar wartet.

KURIER-Wertung:

INFO: "Dallas Buyers Club". Tragikkomödie. USA 2013. 117 Min. Von Jean Marc Vallee. Mit Matthew McConaughey, Jared Leto.

Der RoboCop wurde clever remixed

Robocop (von Meister Paul Verhoeven) gilt als Zentralwerk der 1980er-Jahre. Ein zerschossener Polizist wird da zum Roboter umgebaut und ist dann noch Mensch genug, um die Maschine zu überwinden und politische Großschurken zu bezwingen. Der Sci-Fi-Klassiker rund um Kontrollstaat und freiem Willen wurde nun vom Goldenen-Bären-Sieger Jose Padilho („Tropa de Elite“, 2008) schlau neu interpretiert. Sein Hollywood-Debüt setzt auf weniger Action als erwartet, dafür mehr Politsatire und großartige Großdarsteller wie Michael Keaton, Gary Oldman und Samuel Jackson.

KURIER-Wertung:

INFO: "RoboCop". Sci-Fi. USA 2014. 121 Min. Von José Padilha, mit Joel Kinnaman, Gary Oldman, Michael Keaton.

Gerhard Polt, Matthias Schweighöfer und schräge Vögel

Free Birds

Animation. Zwei Truthähne von der Truthahn-Befreiungsfront machen sich mittels Zeitreise auf den Weg, um das erste „Thanksgiving“-Fest der Weltgeschichte zu verhindern. Auf dass keine Truthähne mehr zu Festtagsbraten werden. Atemlose, wenn auch nicht unoriginelle Animation für Kinder, denen man allerdings vorher Thanksgiving erklären wird müssen.

KURIER-Wertung:

Und Äktschn!

Komödie. Die Todsünde der Komödie? Akute Unlustigkeit. Und das ausgerechnet beim verdienten Altmeister Gerhard Polt, der in diesem Einfamilienhaus-Schwank als Laienregisseur einen Film über Hitlers Privatleben dreht (mit Gisela Schneeberger als Eva Braun). Der lustigste unter den Unlustigen ist Michael Ostrowski als Bankangestellter aus der Provinz.

KURIER-Wertung:

Erbarmen

Thriller. Was hier Sonderdezernat Q heißt, kennt man aus dem Fernsehen schon lange als Cold Case. Der dänische Kommissar Carl-Mørck wird in diese Abteilung abgeschoben, um alte Fälle zu sortieren und fängt wenig überraschend an, einen zu lösen. Solide Thrillerkost im TV-Format nach der Bestseller-Reihe von Krimiautor Jussi Adler-Olson. In Dänemark zumindest war es ein Erfolg.

KURIER-Wertung:

Vaterfreuden

Komödie. Matthias Schweighöfer inszeniert sich selber, diesmal als Samenspender, der plötzlich echter Vater werden will und zu suchen beginnt, wen sein Samen gefunden hat. Sketch-Kette, mal besser, mal schlechter.

KURIER-Wertung:

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