Filmpionier Alexander Kluge mischt antike Götter mit digitaler Sintflut in Wien

PRESSEFÜHRUNG AUSSTELLUNG "ALEXANDER KLUGE - NACHTS TRÄUMEN DIE KULISSEN VON UNGESEHEN BILDERN"
"Nachts träumen die Kulissen von ungesehenen Bildern" von Alexander Kluge (bis 24. Februar im Atelierhaus in Wien-Mariahilf). Antike Ikonografie soll Fragen zum Tagesgeschehen anregen.

Droht die digitale Sintflut? Sind Techmilliardäre die neuen Kaiser? Filmemacher und Schriftsteller Alexander Kluge, maßgeblicher Wegbereiter des deutschen Autorenkinos, zeigt sich in einer neuen Ausstellung auch mit 93 Jahren am Puls der Zeit. "Nachts träumen die Kulissen von ungesehenen Bildern" spannt ab Freitag im Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien den großen historischen Bogen - von antiken Mythen bis ins Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.

Antike Büsten von Ikonen wie Homer, Herkules oder Medusa leiten durch multimediale Bild- und Videostationen, die sich über zwei Stockwerke im ehemaligen Semperdepot erstrecken. Dabei geht es sichtlich nicht darum, sich von Geschichtsbildern berieseln zu lassen. Die Ausstellung ist aufgeladen mit tagesaktueller Ikonografie, sei es in neuen Filmmontagen Kluges über den Blick auf Grönland, oder die Sintflut als Sinnbild für die Gefahr eines Zusammenkrachens der digitalen Clouds, inklusive Schauerszenarien vom Dritten Weltkrieg.

Antike Mythen treffen auf KI

Anders gesagt: Die Ausstellung ist reichlich verkopft. Es sind vor allem die Kontraste, die zum Nachdenken anregen sollen. Herkules beispielsweise zeigt sich als Ikone der Arbeiterbewegung und Arbeitskraft, sein Prügel gleichzeitig als Mordinstrument. Per QR-Code ist an derselben Station ein Langfilm mit Kabarettist Helge Schneider als "Abwrackspezialist für gebrauchte Panzer" zu sehen.

In seinen neuesten Werken setzt Kluge zudem auf KI. Diese soll das "Konjunktiv der Bilder" zeigen, das, was alte Bildikonen in neuartigen Kontexten zuvor nicht offenbart hätten. Geister aus Troja vermischen sich mit modernen Kampfdrohnen, Elon Musk und Mark Zuckerberg verschmelzen zu antiken Herrschern. Im Wiener Filmmuseum begleitet eine Kinoretrospektive mit Alexander Kluges Werken die Ausstellung.

INFO: "Alexander Kluge: Nachts träumen die Kulissen von ungesehenen Bildern" bis 24. Februar im Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien, Prospekthof. Filmprogramm Alexander Kluge im Filmmuseum bis 19. Februar 2026. 

https://www.akbild.ac.at 

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