Kultur
22.11.2018

Filmkritik zu "Verliebt in meine Frau": Weibliche Nachspeise

Boulevardkomödie mit Daniel Auteuil, der in Tagträumen seine Männerfantasien auslebt.

Angesichts der vierten Film-Inszenierung von Daniel Auteuil kann man sagen, dass er nicht gerade der beste Regisseur seiner selbst als Schauspieler ist. Im Direktvergleich zu dem eher breiten als hohen Urviech Gerard Depardieu macht er zwar körperlich, nicht aber als Darsteller eine gute Figur.

Er spielt den verheirateten Verleger Daniel, der den bei seiner Frau in Ungnade gefallenen Freund Patrick und dessen neue Partnerin zum Abendessen einlädt. Die schöne, junge Frau im Schlepptau ist der Grund für den Missmut der Gastgeberin. Denn Patrick hat ihretwegen seine Ehefrau, Isabelles beste Freundin, verlassen.

Es ist angerichtet: die kammerspielhafte Vierer-Konstellation erinnert sofort an eine Boulevardkomödie, und tatsächlich hat Auteuil ein Bühnenstück von Florian Zeller adaptiert. Angesichts der sinnlichen Reize der jungen Begleiterin fällt auch Daniel völlig aus der Rolle. Vom Champagner über den Lammbraten bis hin zum Windbeutel verliert sich Daniel permanent in erotische Fantasien, die verbale Fehlleistungen nach sich ziehen. Er sieht sich zwar als älterer, dafür aber unwiderstehlicher Liebhaber, dem die junge Frau sexuell verfällt.

Da Auteuil das Objekt der Begierde zur Traumfrau ohne Eigenschaften verkommen lässt, bleibt der Film zu sehr in Klischees stecken, denen sich auch Gerard Depardieu als – allerdings nur in Wachträumen – betrogener Freund nicht zu entziehen vermag.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: F/BEL 2018. 84 Min. Von und mit Daniel Auteuil. Mit Sandrine Kiberlain, Adriana Ugarte.