Kultur
18.07.2018

Filmkritik zu "Sicario 2": Bewaffneter Racheengel

Die allzu brutale Fortsetzung von "Sicario" erzeugt viel Spannung, aber auch berührende Momente.

Die Bilder dieses Drogenthrillers kommen aus der Realität: Der Anschlag im Supermarkt, die Mauer an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, und Migranten, die sich trotz der feindseligen Stimmung aufmachen, um in die USA, zu gelangen.

Das Timing für diesen Menschenschmuggel- und Drogenthriller ist perfekt: Flüchtlingsdramen machen Schlagzeilen. Der harsche Umgang der US-Behörden mit illegal eingewanderten Menschen aus Mexiko löste einen internationalen Aufschrei der Empörung aus.

Die Hauptakteure aus dem ersten Teil schlagen auch in Teil 2 wieder zu: Josh Brolin als skrupelloser CIA-Agent und der wortkarge Auftragskiller, den Benicio del Toro – wie immer mitreißend – als bis an die Zähne bewaffneten Racheengel spielt.

Doch leider fehlt Emily Blunt als FBI-Agentin, die sich gegen den Drogenschmuggel einsetzt. In dem Geflecht aus Intrigen und Morden hatte sie in „ Sicario 1“ eine komplexe Rolle, die dem Thriller Tiefgang verlieh. Das Fehlen einer solchen Figur gehört zu den Problemen der Fortsetzung. Das brutale Sequel hat dennoch Momente, die nicht nur die Nerven anspannen, sondern auch das Herz berühren. Vor allem dann, wenn die Gewalt des Kartellkriegs aus dem Blickwinkel von Jugendlichen gezeigt wird: Die CIA inszeniert die Entführung der 16-jährigen Tochter eines Drogenbosses, um einen Krieg zwischen den Kartellen und deren gegenseitige Ausrottung zu provozieren.

Sicario 2“ bietet jedenfalls einen Auftakt, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Doch dann bedient er sich immer mehr einer allzu gewalttätigen Ästhetik.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: USA 2018. 123 Min. Von Stefano Sollima. Mit Benicio del Toro, Josh Brolin, Isabela Moner.