Kultur
07.11.2018

Filmkritik zu "Operation: Overlord": Gefangene in Monster verwandeln

Nazi-Horror um einen wahnwitzigen deutschen Doktor, der Gefangene in blutrünstige Monster verwandelt.

Der Nazi als Bösewicht hat in der Populärkultur eine lange Tradition und wurde auch in allen erdenklichen Horrorfilmen verwurstet. Leider sind auch in „ Overlord“ die Nazis so überzeichnet, dass der Schrecken des Nationalsozialismus und auch die Gefahr von Neonazis und politischem Rechtsruck aus dem Blick geraten.

Die Eröffnungssequenz ist noch vielversprechend. Es ist die Nacht vor dem D-Day, und das Meer vor der französischen Küste ist voll von Soldaten der Alliierten. Zu Beginn nimmt der Film die Grauen des Krieges noch ernst – bis er nach etwa einer Stunde in Richtung Horror abdriftet.

Ein Flugzeug der Amerikaner wird abgeschossen, die wenigen Überlebenden finden in einer kleinen Ortschaft Unterschlupf. Bei einer waghalsigen Erkundungstour entdecken sie in den Kellern einer Kirche ein Labor, in dem ein deutscher Arzt wahnwitzige Experimente durchführt: Er verwandelt Gefangene in Monster, die das Ihrige zum „Endsieg“ beitragen sollen.

Die Kreaturen glänzen durch Liebe zum Detail und lassen erahnen, wohin ein Großteil der Produktionsmittel geflossen sein muss. Für Nicht-Horrorfans wird es vor allem in der zweiten Hälfte eher grauslich als gruselig. Liebhaber des Genres hingegen werden sich an der morbiden Atmosphäre ergötzen, die durch grotesk-komische Überzeichnungen bisweilen den Lach-Nerv kitzelt.

Schließlich ist es leichter, über das Grauen zu lachen, als es ernst zu nehmen.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: USA 2018. 109 Min. Von Julius Avery. Mit Jovan Adepo, Wyatt Russell, Mathilde Olivier.