Kultur
25.04.2018

Filmkritik zu "Glory": Korruptes Spiel von Politik und Medien

Ein einfacher Gleisarbeiter wird für seine Ehrlichkeit bestraft und versinkt im bulgarischen Polit-Sumpf.

Alles fängt an damit, dass er bei seinem morgendlichen Kontrollgang über die Trasse einer Lokalbahn einen Haufen Geld findet. Seine Ehrlichkeit wird ihm zum Verhängnis: Der brave Gleisarbeiter Petrov meldet den Fund der Polizei, worauf ihn die skrupellose Pressechefin des Transportministers zum „Helden des Alltags“ stilisiert. Inklusive einer Pressekonferenz, die von den Skandalen ihres Chefs ablenken soll. Der eher simpel gestrickte Petrov, der noch dazu stottert, wird zu Interviews und vor Kameras gezerrt. Parallel zu seiner Geschichte läuft die der PR-Frau Julia Staikova ab.

Aberwitz

Das korrupte Spiel von Politik und Medien in Bulgarien bildet den Hintergrund, vor dem sich der lakonische Humor der Geschichte zunehmend zu gesellschaftskritischem Aberwitz entwickelt.

Der Gleisarbeiter Petrov, dem man die Uhr abgenommen hat, um sie durch die Ehrennadel zu ersetzten, wird der PR-Frau zunehmend lästig. Er will seine Uhr zurück und ruft täglich im Ministerium an. Slava – was so viel heißt wie Glory, oder eben Ruhm – lautet der Markenname der Armbanduhr, die Petrov so schmerzlich vermisst. Als Mann ohne Chance im Verdrängungskampf der Politiker, der Skrupellosen und der Populisten, bleibt er auf der Strecke, hat aber die Sympathie des Publikums.

Der Film wurde von einem Mann und einer Frau gemeinsam inszeniert – und vielleicht liegt es daran, dass Frauen- wie Männerfiguren gleichermaßen glaubwürdig wirken.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: BGR/GRC 2016. 101 Min. Von Kristina Grozeva, Petar Valchanov. Mit Stefan Denolyubov, M. Gosheva.