Kultur
24.10.2018

Filmkritik zu "Ex Libris": Zugang zur Welt des Buches

Prägnant beobachtete, schöne Doku über die Public Library in New York von Frederick Wiseman.

Literatur ins Kino zu bringen gehört zu den schwierigsten Aufgaben für Filmemacher. Wie schwierig muss es aber sein, einen spannenden Film zu drehen, wenn die geschriebenen Worte zwischen den Buchdeckeln verbleiben? Für Frederick Wiseman, den mittlerweile 87-jährigen und vielfach preisgekrönten Humanisten des Kinos, ist dies offenbar kein Problem. Davon zeugt sein neuester Film, in dem er Einblicke in die Welt der New York Public Library bietet. Mit 92 Zweigstellen und mehr als 51 Millionen Medien ist das 1911 eröffnete Haus eine der größten Bibliotheken der Welt. Bis heute muss die New York Public Library Jahr für Jahr um Sponsoren-Gelder buhlen, um den Betrieb aufrecht halten zu können. Diesbezügliche Gremiensitzungen werden im Film ebenso ausführlich mit der Kamera begleitet, wie die Leseförderung von ärmeren Kindern in den Randbezirken von New York.

Puristisch

Wisemans höchst lebendiger Zugang zu dieser Welt des Buches ist wohltuend puristisch: Er verzichtet auf Interviews und einordnende Erklärungen, und es wird auch nichts für die Kamera inszeniert. Seine Kommentare liegen in der Auswahl der Bilder von Büchern und der Menschen, die damit zu tun haben. In der auch architektonisch repräsentativen Zentrale an der Fifth Avenue gibt es außerdem Veranstaltungen, die über herkömmliche Lesungen hinausgehen: mit Elvis Costello, Patti Smith und Richard Dawkins.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: USA 2017. 197 Min. Von Frederick Wiseman. Mit Ta-Nehisi Coates, Elvis Costello.