Baden gehen gegen die Midlife-Krise: "Ein Becken voller Männer"

© Constantin

Kultur
06/27/2019

Filmkritik zu "Ein Becken voller Männer": Schwimmen gegen Midlife-Krise

Waschbrettbäuche nicht erwünscht. Männer in der Krise üben Synchronschwimmen: Amüsante, berechenbare Komödie.

Es kommt heutzutage immer öfter vor, dass Männer sich in vermeintlich weiblichen Gefilden herumtreiben, oder Frauen in „maskulinen“ Tätigkeiten ihren Mann stellen. In diesem Film ist ersteres der Fall: Wenig trainierte Männer mittleren Alters zwängen sich in enge Badehosen, zwicken Klammern auf die Nasen und stülpen Badekappen über die Köpfe.

Sie sollten ihre Bäuchlein ruhig vorzeigen, hat Regisseur Gilles Lellouche seine Schauspielstars, allen voran Mathieu Amalric, vor dem Dreh wissen lassen. Waschbrettbäuche seien gar nicht erwünscht. Wer hat die auch schon im wirklichen Leben? Dann taucht die Gruppe im Schwimmbecken ab, um in eher wenig eleganten Formationen wieder auf die Wasseroberfläche zu kommen. Die Reaktion kann kaum ausbleiben. Mit Kommentaren wie: Synchronschwimmen? Ist das nicht ein Nixen-Ballett wie man es aus dem Hollywoodfilm „Badende Venus“ kennt? Na ja, Frauen spielen ja auch Fußball!

Eher zufällig sind die Männer auf eine Notiz im Internet gestoßen: In Norwegen finden die Weltmeisterschaften im Synchronschwimmen für Männer statt. Ein französisches Team hat sich offenbar noch nicht angemeldet (wohl aber ein deutsches). Die Teilnahme am Wettbewerb wird zum berühmten „Silberstreif am Horizont“: Endlich haben die Underdogs eine Chance zu beweisen, was in ihnen steckt.

Midlife-Krise

Der Film reiht sich in die Tradition englischer Komödien wie „Ganz oder gar nicht“, über eine Gruppe arbeitsloser Männer, die zu Stripteasetänzern werden. Männer in der Midlife-Krise, die neue Herausforderungen für ihre unterforderte Energie suchen: Laurent kann seine Aggressionen nicht beherrschen, woran auch seine Familie zerbricht. Marcus steht vor seiner vierten Geschäftspleite, Simon träumt in seinem Wohnwagen noch immer von einer Karriere als Rockstar und Thierry hat Probleme mit Frauen.

Zugute muss man dem Film halten, dass er die Niederlagen und Enttäuschungen seiner Synchronschwimmer nicht (nur) dazu benutzt, um sie in Badehosen „bloßzustellen“. Das ist mehr, als man bei Komödien dieser Art erwarten kann. In Frankreich machten mehr als vier Millionen Zuschauer den Film zu einem der erfolgreichsten des vergangenen Jahres.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: BL/F 2018. 122 Min. Von Gilles Lelouche. Mit Mathieu Amalric, Guillaume Canet