Kultur
06.06.2018

Filmkritik zu "Cleaners": Putzen des Internets von Gewalt

Drastische Doku über die sogenannten "Cleaners", die in Schwerstarbeit das Internet von Pornographie und Gewalt säubern.

Tagaus tagein in sozialen Netzwerken surfen und dabei den eigenen Hang zum Voyeurismus ausreizen – eine gehörige Portion Fremdschämen inbegriffen: Was wie ein beinahe erstrebenswertes Berufsbild klingt, gehört in Wahrheit zur Schattenindustrie des Internets. Für die professionelle Content-Putzbrigade sind die abgrundtiefen Einblicke in menschliche Befindlichkeiten vielmehr eine seelenzermürbende Schwerstarbeit.

Im Dienst von Twitter, Facebook und Google sollen sie Hasspostings, Pädophilie, Pornos und Gewaltvideos eliminieren. Zigtausende Fotos und Videos pro Arbeitstag. Was ist politische Meinungsäußerung, was Hetze? Was ist Kunst, was Satire, was Pornografie? Wie sollen die Giganten Facebook, Google & Co. mit den Zensur-Forderungen autoritärer Regime umgehen?

Für diese Entscheidungen haben die sogenannten „ Cleaner“ jeweils nur Sekunden Zeit. Ein entlarvender Blick auf die Hintergründe dieser digitalen Zensur, deren Kriterien nach einem Zufallsprinzip funktionieren. Die Internetkonzerne behaupten, sie würden weltweit Armeen von Spezialisten beschäftigen, die für Moral und Sicherheit im Cyberspace sorgen sollen. In Wahrheit sind es aber schlecht bezahlte Jobs, die in Billiglohnländer „ausgesourct“ wurden. In Länder, die als Zugabe zum Gift- und Plastikmüll nun auch noch die moralischen Toxine entsorgen sollen.

Darknet

Der Dokumentarfilm führt drastisch vor Augen, wie in Manila sogenannte „Content Moderatoren“ in Zehn-Stunden-Schichten Tausende und Abertausende Bilder und Videos löschen, die man uns „normalen Usern“ nicht zumuten will: Enthauptungen, Vergewaltigungen, Morde, Bombenexplosionen.

Nach monatelanger Recherche konnten die Filmemacher Hans Block und Moritz Riesewieck zu einer Handvoll dieser Arbeiter eine Beziehung aufbauen und mit ihrer Hilfe – trotz Maulkorbparagrafen in ihren Arbeitsverträgen – einen verstörenden Blick ins weltumspannende Darknet riskieren, der die Menschen, die uns schützen sollen, innerlich auffrisst. Die Internet-Bosse wollten übrigens keine Stellung dazu beziehen.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: D/BRA/ NL/I/USA 2018. 88 Min. Von Hans Block und Moritz Riesewick.