Kultur
26.09.2018

Filmkritik zu "Ballon": Bruchlandung im bayrischen Acker

Spektakuläre Flucht zweier Familien aus der DDR im Heißluftballon, menschelnd erzählt von Michael "Bully" Herbig.

Schluss mit Knallchargen wie Winnetou, Old Shatterhand, Mr. Spuck, Kork und Schrotty, mit Sissi-Lissy und dem Kaiser Franz. Seit seinem 50er ist für Michael „ Bully“ Herbig offenbar Schluss mit lustig. Den schon seit längerem vorgenommenen Bruch mit seiner bisherigen Arbeit hat er nun mit einem Polit-Thriller besiegelt. Als Regisseur, der ohne „Bully“ als Hauptdarsteller auskommt.

Im neuen Film erzählt er eine deutsch-deutsche Geschichte: Die spektakuläre Flucht zweier Familien aus der DDR. Im Jahr 1979, zehn Jahre vor Öffnung des Eisernen Vorhangs. Mithilfe von mehr als 1000 Quadratmetern Stoff, die möglichst unauffällig in der gesamten DDR aufgekauft wurden, und mit viel heißer Luft schwebten die Familien aus Ostdeutschland in die Freiheit. Einen Fluchtversuch hatte eine der beiden schon einmal rund zehn Wochen zuvor gewagt, doch der erste Ballon stürzte wenige hundert Meter vor der Grenze ab. Der nächtliche Flug mit dem zweiten Ballon gelang. Nach bangen 28 Minuten erfolgte die Bruchlandung in einem bayrischen Acker.

Michael „Bully“ Herbig rückt nicht das nervenzerfetzende Abenteuer in den Mittelpunkt, sondern die Motivation und Befindlichkeit der Menschen, die sich und ihre Kinder diesem Wagnis aussetzen. Sogar die Stasi-Spitzel „menscheln“. Das macht den Film bisweilen etwas betulich, aber trotzdem – vielleicht auch gerade deswegen – sympathisch.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: D 2018. 120 Min. Von Michael „Bully“ Herbig. Mit Friedrich Mücke, Karoline Schuch.