Kultur
10.10.2018

Filmkritik zu "Bad Times At The El Royale": Alle haben ein Geheimnis

Voyeuristischer Blick auf die immer brutaler werdende Handlung im schäbigen Hotel El Royale.

Einst war es glitzernder Treffpunkt für Hollywood-Giganten wie Marilyn Monroe oder Dean Martin: Das Hotel El Royale, in dem mächtige Gewerkschaftsbosse sinistere Geschäfte mit Mafia-Paten und nicht selten auch mit prominenten Politikern machten. Der nicht minder spektakuläre Niedergang des Hotels Ende der 1960er-Jahre hat nun einen anderen Kunstschaffenden begeistert. Drehbuchautor und Regisseur Drew Goddard stilisiert die schäbig gewordene Pracht zum Schauplatz eines visuell überzeugenden Neo-Noirs.

In den „Bad Times“ dieses El Royale schiebt nur mehr ein einziger Angestellter alle anfallenden Dienste. Er ist Barmann, Page und Portier in einer Person. An einem Abend steigen unerwartet Gäste ab: Eine Sängerin auf der Durchreise, ein Priester, ein Agent – und zuletzt auch noch ein ebenso charismatischer wie zwielichtiger Kommunen- oder Sektenführer.

Den bunt zusammengewürfelten Gästen ist eines gemeinsam: Keiner ist das, was er zu sein vorgibt. Und alle habe ein Geheimnis. Das größte birgt jedoch das Hotel selbst: In jedem Zimmer hängt ein Spionagespiegel, durch den man von außen beobachten kann, was drinnen vorgeht.

Als Zuschauer kann man aus dieser voyeuristischen Sichtweise zwar das famose Filmhandwerk – sowohl schauspielerisch als auch visuell – genießen, aber das Interesse an der gegen Ende immer brutaler werdenden Handlung verliert sich in allzu vielen Details. Das liegt vor allem daran, dass Goddard den Ehrgeiz hat, diesen Thriller-Stoff nicht als handfestes B-Movie à la Quentin Tarantino zu servieren, sondern als allzu schickes Kunst-Kino.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: USA 2018. 141 Min. Von Drew Goddard. Mit Jeff Bridges, Dakota Johnson.