"Woodwalkers 2": Die Gestaltwandler im Kampf gegen Multimillionär
Wollen ihren Lebensraum schützen: „Woodwalkers 2“.
Von Gabriele Flossmann
Woodwalkers: Das sind Menschen, die sich in Tiere und Tiere, die sich in Menschen verwandeln können. Und sie können Neunjährige dazu bringen, 300-Seiten-Bücher zu lesen. Zumindest Letzteres hätte keiner geahnt, als die die deutsche Autorin Katja Brandis vor zehn Jahren begann, diese Fabelwesen zu Romanhelden zu machen. Inzwischen ist daraus eine 20-bändige Reihe geworden. Umso erstaunlicher ist es, dass bisher erst ein Teil dieser Fantasy-Bestseller verfilmt wurde. Und zwar 2024.
Zwei Jahre später kommt nun Teil 2 ins Kino, der die sozialen und ideologischen Spannungen der heutigen Gesellschaft verschärft, die bereits im ersten Teil angelegt waren. Ernste Themen wie Armut, ökologischer Raubbau und Ausbeutung von Natur und Subjekt. Sollten alle „Woodwalker“-Abenteuer in gleichbleibenden Zeitabständen von zwei Jahren verfilmt werden, würde dies bis Mitte der 2060er-Jahre dauern. Bis in eine Zeit also, in der unsere Nachkommen live erleben, ob eine Message Wirkung zeigt, wenn sie im populären Familienkino verhandelt wird.
Puma
Zentral bleibt die Figur des Puma-Gestaltwandlers Carag und seiner Freunde, deren innere Zerrissenheit zwischen menschlicher und animalischer Existenz zur Identitätskrise wird. Das beginnt bereits damit, dass sie eine „Sonderschule“ besuchen (müssen). Die Zerrissenheit zwischen Mensch- und Tier-Ich wird im zweiten Teil stärker politisiert. Die Protestaktionen zum Schutz natürlicher Lebensräume rücken in den Vordergrund: Als Carag von seinem Mentor, dem Multimillionär Andrew Milling, erpresst wird, sich in seinen Dienst zu stellen. Denn Milling, der die autoritäre Machtposition verkörpert, hat Pläne, den Lebensraum der Woodwalker nutzbar und damit zu Geld zu machen. Als sich Carag auflehnt und mit seinen Freunden die Ausbeutung der Natur durch den Turbo-Kapitalisten bekämpft, beginnt der Film seine Message leider hinter Actionszenen des etablierten Franchise-Kinos zu verstecken und damit auch zu entschärfen.
Weiblicher Widerstand
Dass es auch so etwas wie „weiblichen Widerstand“ gibt, wird innerhalb der Woodwalker- Freundesgruppe durch ein pausbäckiges Mädchen namens Holly durchexerziert. Sie kämpft vor allem mit spitzer Zunge und subversivem Humor. Die US-amerikanische Wildnis, in der dieses Fantasy-Abenteuer spielt, wird anschaulich durch die beeindruckende Gebirgskulisse Südtirols simuliert – durch Drohnenflüge auch aus der Vogelperspektive. Mit seinen Natur- und Tieraufnahmen ist der Film optisch reizvoll. Leider kommt die tierische Seite der Charaktere etwas zu kurz. Er ist aber mit guten, teils auch prominenten Namen besetzt, gut gespielt und alles in allem recht unterhaltsam.
INFO: D 2026. 102 Min. Von Sven Unterwaldt Jr. Mit Eugen Bauder, Moritz Bleibtreu.
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