Vendig - Gravity

© Warner Bros Picture

Filmfestspiele
08/29/2013

Raumschiffe in Venedig

Die 70. Ausgabe startete mit George Clooney und Sandra Bullock in „Gravity“.

Die Trümmer kommen lautlos, aber mit ungeheurer Wucht. Mit mehr als 30.000 Kilometer pro Stunde umkreisen sie die Erde, tausendfache Resultate einer Kettenreaktion, die ein zerstörter Satellit ausgelöst hat. Nun zerschlagen sie alles, was ihnen in den Weg kommt: andere Satelliten, Raumstationen und auch das Space Shuttle, das mit seinen Astronauten gerade an das Hubble Teleskop angedockt hat.

Mit schwindelerregenden 3-D-Bildern und angemessen glamouröser Starbeteiligung eröffnete das Festival von Venedig am Mittwochabend. Sandra Bullock (mit leicht wächsernem Look) und George Clooney spielen Astronauten, die in einer beinahe ausweglosen Lage nach Lösungen suchen. Alfonso Cuarón, der ein gutes Händchen für intelligentes Publikumskino hat, inszeniert „Gravity“ als Spiel mit der Schwerelosigkeit, das kein Oben und Unten kennt, eben noch den halben Planeten aus dem Orbit überblickt und im nächsten Augenblick ganz nah an seine einsamen Helden heranrückt.

George Clooney war bei der Pressekonferenz kaum von seiner Filmfigur zu unterscheiden, zu sehr ist er inzwischen in der Rolle des charmanten Zynikers zu Hause. Selbst noch, als er über sein eigenes Hightech-Projekt spricht, das durchaus zum „Gravity“-Setting passt, liefert er eine ironische Einleitung mit. Tatsächlich hat er seine Kaffeewerbungshonorare in einen Satelliten investiert, der das Grenzgebiet zwischen dem Nord- und Südsudan beobachtet, um dort Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren. Fast zu viel Wirklichkeit für eine Pressekonferenz, in der sich die Journalisten sonst auch gerne für Sandra Bullocks Fitnessprogramm („Tanzen und ein zwanzig Kilo schwerer Dreijähriger“) interessieren.

Die Wettbewerbsfilme 2013

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Baugrube

Vielleicht hat Festival-Direktor Alberto Barbera der Pragmatismus gefallen, mit dem in „Gravity“ immer ein Schritt nach dem anderen gemacht wird. Draußen vor dem Kino sind die Trümmer einer anderen Kollision von hochfliegenden Plänen mit der Wirklichkeit zu sehen. Die gigantische Baugrube ist immer noch da. Gleich neben dem Festivalpalast am Lido, wo vor fünf Jahren ein moderner Anbau entstehen sollte.

Unter den weißen Plastikplanen liegt illegal entsorgter Asbestmüll, der dort weiter bleiben wird, bis sich Rom und die Regionalregierung geeinigt haben, wer die 15 Millionen Euro für die Sanierung übernehmen wird. Das kann noch einmal fünf Jahre dauern. Kein passendes Geschenk zur 70. Ausgabe der Festspiele, die ihr Jubiläum in den nächsten Tagen mit Stephen Frears Nonnendrama „Philomena“, Terry Gilliams Zukunftsgroteske „The Zero Theorem“ (mit Christoph Waltz) oder Kelly Reichardts Ökoterroristendrama „Night Moves“ feiern.

Seit Barbera im Vorjahr die Leitung übernommen hat, wird am Lido auf Schadensbegrenzung gesetzt. Er will das Erbe der Filmfestspiele erhalten, statt zu sehr zu träumen. Der Saal für die Galapremieren wurde renoviert, neue, kleine Kinos in das Casinogebäude eingebaut. Der dritte große Kinosaal wird erst 2014 renoviert. Alles zu seiner Zeit.

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