Gabriela Montero riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

© Colin Bell

Feuerwerk und Liszt-Finale
10/22/2013

Feuerwerk und Liszt-Finale

Gabriela Montero und Martin Haselböck begeisterten beim Festival in Raiding.

Zwei außergewöhnliche Konzerte ließen das Publikum beim Liszt-Festival Raiding jubeln.

Gabriela Montero ist in der Klassikwelt erfrischend unkonventionell, denn die Pianistin liebt es, Eigenkompositionen zu spielen und zu improvisieren. So forderte sie etwa bei der Zugabe das Publikum auf, ihr Anregungen zu geben, worauf ihr ein mutiger Herr „There is a place for us“ aus Bernsteins „West Side Story“ vorsang. Und sofort begann Montero über dieses Thema höchst virtuos zu improvisieren.

Mit ihrer in erster Linie wild virtuosen, donnernden Interpretation erzeugte Montero ein wahres pianistisches Feuerwerk. Man spürte die innere Glut der gebürtigen Venezolanerin und war fasziniert von ihrer tollen Griffsicherheit und ihren flüssigen Läufen bei den gewählten, atemberaubenden Tempi. Sei es bei der Rigoletto-Paraphrase von Franz Liszt oder bei dessen Sonate in h-Moll. Dazu erklangen feurig „Cuatro piezas“ vom kubanischen Komponisten Ernesto Lecuona, basierend auf volkstümlichen Liedern wie etwa „La Comparsita“ oder „Cordoba“, wie auch die tonale Eigenkomposition „Tres piezas“.

Uraufführung von Franz Liszt

Kaum zu glauben, dass es heute noch möglich ist, ein Werk von Franz Liszt uraufzuführen. Und doch wurde in Raiding der vergessene Kreuzeshymnus „Vexilla regis prodeunt“, dessen orchestrale Version als Fragment galt und dessen letzte, drei fehlende Takte von Martin Haselböck aufgrund des Klavierauszuges vervollständigt wurden, von der Wiener Akademie unter seiner Leitung uraufgeführt. In dem achtminütigen Werk lässt Liszt Gregorianik wie auch martialische, marschartige Töne erklingen.

Ideal vermochte die auf historischen Instrumenten musizierende Wiener Akademie unter dem stets animierenden Haselböck die Legende über „ St. Francois de Paula marchant sur le flots“ wie auch Liszts letzte Symphonische Dichtung Nr. 13 „Von der Wiege bis zum Grabe“ zu präsentieren. Damit haben Haselböck und die Wiener Akademie ihren Zyklus beendet und das gesamte symphonische Schaffen Liszts zur Aufführung gebracht.

Quasi als Draufgabe realisierten Haselböck und die Wiener Akademie noch Anton Bruckners zweite Symphonie in der Urversion.

KURIER-Wertung:

von Helmut Chr. Mayer

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