Kultur
31.05.2018

Festivals: Österreich mutiert zum Pop-Exportland

Bilderbuch treten bei "Rock am Ring" als Co-Headliner auf und sind nicht die einzigen Austro-Stars bei europäischen Festivals.

Schroff und wild sind die Färöer-Inseln im Nordatlantik. Obwohl sie Hunderte Kilometer fernab vom europäischen Festland liegen – geschweige denn von Österreich – sind Bilderbuch voriges Jahr auch dort zu Topstars geworden. Beim „G!“-Festival am Strand bei Sydrugota mischte die Band die Insulaner auf: Tausende sangen „Bungalow“ mit, obwohl sie kein Wort Deutsch können. Die Stimmung kochte derart hoch, dass sich der Veranstalter nachher ärgerte: „Ich hätte Bilderbuch als Headliner buchen sollten!“

Wie gut die österreichischen Bands zur Zeit auch in Deutschland ankommen, zeigt das morgen, Freitag, startende Zwillings-Festival „Rock am Ring“/Rock im Park“: Mavi Phoenix und Yung Hurn sind mit dabei. Und Bilderbuch an höchst prominenter Stelle: Sie spielen auf der Beck’s Carter Stage als Co-Headliner – direkt vor den Gorillaz.

Langer Weg

Für Bilderbuch und ihren Manager Christoph Kregl, der auch Mavi Phoenix betreut, war das kein leichter Weg. Die ersten kleinen Festivals knapp außerhalb der österreichischen Grenze in Orten wie Passau spielten Maurice Ernst und seine Freunde zwar schon 2008. Aber weiter weg ging es erst 2014 nach der Veröffentlichung von „Maschin“. Aber da waren es bei den großen Festivals auch erstmal Auftritte um 13.00 oder 14.00 Uhr – auf den kleinen Bühnen. Und der Trip war mit hohen Kosten verbunden, weil das Equipment transportiert werden muss und die Gagen für solche Slots sehr, sehr schlecht sind.

Aber Bilderbuch lieferten immer wieder ab, zogen auch zu diesen ungünstigen Zeiten viele Zuschauer an, die sie mühelos begeistern konnten. Deshalb bekamen sie in den Jahren darauf von den Veranstaltern immer bessere Slots auf den größeren Bühnen.

Heuer spielen sie die ganz großen Festivals – dafür aber nur fünf. Das hängt damit zusammen, dass Veranstalter für die entsprechende Gage für hoch gehandelte Bands auch eine gewisse Exklusivität fordern. So dürfen große Acts im selben Jahr nicht in einem anderen Ort im Umkreis der Festival-Locations spielen. Und dieser Umkreis kann bei Headlinern oder Co-Headlinern auf mehrere hundert Kilometer festgelegt sein.

Studio-Arbeit

Dass Bilderbuch sich diesen Sommer rarer als sonst machen, hängt aber auch damit zusammen, dass die Band, die morgen ihren Sommer-Song „Eine Nacht in Manila“ veröffentlicht, in diesen Monaten mehr Zeit für die Arbeit im Studio haben will.

Diese Musiker sind aber ohnehin nicht die einzigen, die Österreich heuer zu internationalen Festivals exportiert: Wanda, die 2017 bei „Rock am Ring“ und „ Rock im Park“ waren, spielen (unter anderem) beim zweiten großen deutschen Zwillingsfestival „Southside“/„Hurricane“. Yung Hurn ist für „Deichbrand“ und „Juicy Beats“ gebucht. Und Seiler und Speer und Ankathie Koi spielen sich diesen Sommer durch kleinere Festivals im Nachbarland.

Den rasantesten Aufstieg in Punkto Auslands-Engagements machte aber Mavi Phoenix. Erst 2014 begann sie, EPs zu veröffentlichen. Diesen Sommer bringt sie Songs wie „Aventura“, aber auch das soeben veröffentlichte „Bite“ zu 25 internationalen Festivals – darunter zuso renommierten wie „Primavera“ und „Roskilde“. Und wenn es zeitlich und physisch möglich wäre, hätte sie gut doppelt so viele spielen können. Extrem gefragt im Ausland – und das schon seit Jahren – ist auch Parov Stelar.

15. VERLEIHUNG DER AMADEUS AUSTRIAN MUSIC AWARDS: PAROV STELAR

Coachella-Star

Marcus Füreder war schon beim „Coachella“ in den USA und überall sonst, wo es Festivals gibt. Diese internationalen Erfolge liegen aber auch daran, dass Mavi Phoenix mit ihren englischen Raps und Parov Stelar mit seinem Fokus auf temporeiche Beats im Ausland nicht auf die sprachlichen Barrieren stoßen, die etwa Bilderbuch gesetzt sind.

Denn deren Ausflug auf die Färöer-Inseln war einem Zufall geschuldet: Der Veranstalter des „G!“-Festivals bekam von einem deutschen Freund die Single „Bungalow“ und war davon so begeistert, dass er Bilderbuch „buchen musste“. Er gab „Bungalow“ außerdem an die örtlichen Radiostationen, wodurch der Song in diesem abgelegenen Flecken Natur im Nordatlantik auf Platz drei der Charts kletterte.