Farah: "Gute Moslems sind keine Islamisten"

Am Freitagnachmittag startete die sechste Auflage des "Literatur im Nebel"-Festival. Ehrengast ist in diesem Jahr der somalische Autor Nuruddin Farah.

In der Margithalle von Heidenreichstein im Waldviertel hat am Freitagnachmittag die sechste Auflage des Festivals "Literatur im Nebel" begonnen. Nach Salman Rushdie, Amos Oz, Jorge Semprun, Margaret Atwood und Hans Magnus Enzensberger ist diesmal der somalische Autor Nuruddin Farah zu Gast. Sein Credo: "In Humanität investieren". Der 1945 geborene Farah gilt nicht zuletzt durch seine eigene Geschichte als engagierter Weltenbürger, der das Schicksal der Entwurzelten und die gesellschaftlichen Realitäten gegen alle politischen Repressionen dokumentiert und besonders dem Überlebenskampf der somalischen Bevölkerung eine gewichtige Stimme verleiht. Einen "Heimatdichter von kosmopolitischer Prägung" und einen "literarischen Langstreckenläufer" von großer Ausdauer, Beharrlichkeit und Unbeugsamkeit nennt ihn sein Freund Ilija Trojanow. Klaus Maria Brandauer eröffnete den Lesereigen mit einem Ausschnitt aus dem Roman "Links" - dem ersten Teil der jüngsten Trilogie "Past Imperfect", die Farah erst vor kurzem mit "Crossbones" vollendet hat (erscheint im kommenden Jahr auf Deutsch), ... ... später auch gemeinsam mit Maria Schrader, die ihrerseits noch aus der "Somalischen Diaspora" vortrug. Dorothee Hartinger, Anna-Elisabeth Mayer und Cornelius Obonya widmeten sich dem 1979 erschienenen Roman "Bruder Zwilling". Im Gespräch mit ORF-Außenpolitikchef Andreas Pfeifer äußerte sich Farah auch zu den aktuellen Ereignissen in Somalia: Wer so brutal vorgehe wie die radikal-religiösen Gruppen, betreibe eine Politik der Zerstörung und der Desinformation. Er bezeichne diese Gruppen nicht als islamistisch, denn sie seien unislamisch. Gute Moslems seien keine Islamisten, so Farah. Was Nordafrika betreffe, sei er nicht optimistisch. "Was können Sie mit Ihrer Literatur erreichen?", wollte Pfeifer wissen. Farah: "Bücher werden nicht nur für die Gegenwart geschrieben." Ob das, was er schreibe, wirklich Literatur sei, müssten die folgenden Generationen beurteilen. Afrikanisches Schreiben sei der Versuch, gemeinsame Geschichte zu teilen und Verständnis zu ermöglichen.

Am zweiten Festivaltag erweisen Beatrice Achaleke, Thomas Glavinic, Sabine Haupt, Julya Rabinowich, Florentin Groll, Marie-Roger Biloa, Elisabeth Orth, Andrea Breth, Sven-Eric Bechtolf und Dörte Lyssewski dem Ehrengast ihre Reverenz. Im Heidenreichsteiner Literaturwald hat Farah übrigens einen Kirschbaum gepflanzt. In vier Jahren will er dessen Früchte ernten kommen.

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(apa / moe) Erstellt am
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