Familie Trapp und "The Sound of Music"

Am 23. Oktober feiert das Musical "The Sound of Music" mit Uwe Kröger in Salzburg Premiere. Hier die Geschichte der Familie Trapp.

Seit dem 12. September wird geprobt, am 23. Oktober 2011 ist es soweit: Erstmals wird das Musical "The Sound of Music" auf einer Salzburger Bühne zu sehen sein. Das Landestheater bringt den weltweit beliebten, aber im deutschen Sprachraum vielfach ignorierten Welterfolg zurück an seinen Ausgangspunkt. Die Hauptrollen sind mit Wietske van Tongeren (Maria) und Uwe Kröger (Baron von Trapp) prominent besetzt. Die sieben Trapp-Kinder wurden in Salzburg, Wien und Hamburg ausgesucht. Allein aus Salzburg haben sich 200 junge Sänger und Schauspieler beworben. "Weltweit ist dieses Musical eines der erfolgreichsten und meistgespielten Musicals aller Zeiten. Auch die Hollywood-Verfilmung aus dem Jahr 1965 wurde ein Welthit und gehört zu den meistgesehenen Filmen der Geschichte. ... ...  'The Sound of Music' prägt das Image Salzburgs in vielen Ländern der Erde bis heute", sagte Landestheater-Intendant Carl Philip Maldeghem, der sich dafür entschieden hat, das Musical nicht im Englischen Original mit Übertitel zu zeigen, sondern eine deutsche Übersetzung zu verwenden. Maldeghem will "dieses Stück Salzburg nach Hause holen und nicht nur Touristen aus aller Welt, sondern auch die Salzburger selbst mit ihrer eigenen Geschichte vertraut machen". Grundlage für den Erfolg sind die Erinnerungen von Maria Augusta Trapp (1905-1987), die sie im Buch "The Story of the Trapp Family Singers" niederschrieb. Diese Biografie erschien 1952 unter dem Titel "Vom Kloster zum Welterfolg" auch auf Deutsch.

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Die Familie Trapp 1937 beim Musizieren in Salzburg. Die sieben Kinder von Georg und Agathe von Trapp, Stiefmutter Maria Augusta, geb. Kutschera, und der Hauskaplan Dr. Franz Wasner. Die Broadway-Premiere war 1959 im Lunt-Fontanne-Theatre in New York. Die von Vincent Donehue inszenierte Show erreichte 1.443 Aufführungen. Im Londoner West End startete die Produktion im Mai 1961 im Palace Theatre und erreichte 2.386 Aufführungen. Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 9. März 1982 im Stadttheater Hildesheim unter dem Titel "Die Trapp-Familie" statt. Verfilmt wurde die Geschichte in Deutschland sogar schon vor dem Hollywood-Welterfolg: 1956 und in Fortsetzung 1958 entstand der Spielfilm "Vom Kloster zum Welterfolg", in den Hauptrollen waren Ruth Leuwerik, Hans Holt, Josef Meinrad und Michael Ande zu sehen.

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Filmszene: "The Sound of Music" (1964) 1965 stieg Hollywood ein und verfilmte "The Sound of Music". Gedreht wurde 1963 und 1964 in Salzburg an den Originalschauplätzen, darunter im Stift Nonnberg, am Friedhof St. Peter, in Schloss Leopoldskron, in der Frohnburg und in Schloss Hellbrunn. In Deutschland kam der Film unter dem Titel "Meine Lieder, meine Träume" in die Kinos. Der US-Film erreichte über eine Milliarde Zuschauer und gilt nach "Vom Winde verweht" und "Star Wars" als der meistgesehene Film aller Zeiten.

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Filmszene: "The Sound of Music" (1964) "The Sound of Music" wurde für zehn Oscars nominiert und gewann in fünf Kategorien. Außerdem heimste der Film zwei Golden Globes ein. "The Sound of Music" wurde 2007 vom American Film Institute in der Liste der 100 besten Filme aller Zeiten auf Rang 40 platziert. In der Liste der 25 bedeutendsten Musicalfilme aller Zeiten landete "The Sound of Music" auf Rang vier.

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Julie Andrews als Maria Trapp während der Dreharbeiten zu "The Sound of Music" Zwei Lieder schafften es unter die 100 besten Filmsongs, "The Sound of Music" auf Platz 10 und "Do Re Mi" auf Rang 88. Die Broadway-Produktion gewann 1960 fünf Tony Awards sowie einen Grammy Award für das beste Musical-Show-Album. "The Sound of Music" erzählt die durchaus rührselige Geschichte der Ordens-Novizin Maria in der Nazizeit. Maria übernimmt die Betreuung der sieben Kinder des Baron von Trapp, mit denen sie einen Kinderchor gründet. Baron von Trapp verarmt, opponiert gegen die Nazis und verweigert seine Gefolgschaft. Kurz vor Ausbruch des Weltkrieges heiraten die beiden und flüchten auf abenteuerliche Weise via Schweiz nach Amerika.

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Undatiertes Foto der Familie Trapp Soweit das Musical und der auf das Musical aufbauende Film. Erwartungsgemäß stimmen eine Reihe von Details dieser entzückenden Herz-Schmerz-Geschichte im durchaus bedrohlichen Nazi-Milieu mit der Realität nicht überein. Wie sowohl Maria als auch einige der Trapp-Kinder (z.B. Erika von Trapp hier im Bild) in Interviews mit amerikanischen Medien erklärten, unterschieden sich Musical und Film von den historischen Tatsachen wie folgt:

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Erika von Trapp (2008): Tochter von Baron Georg von Trapp Maria war eigentlich nur für ein Kind von Baron von Trapp (1880-1947) zuständig. Es gab zehn und nicht sieben Kinder. Für den Film wurden Geschlecht, Namen und Alter der Kinder geändert. Maria und Georg von Trapp heirateten bereits 1927, also nicht unmittelbar vor der Machtergreifung der Nazis und der Flucht der Familie, sondern bereits elf Jahre früher. Im Gegensatz zum Film liebte Maria ihren Mann anfangs nicht. In ihrer Autobiografie sagte Maria von Trapp, sie habe eigentlich die Kinder geliebt und geheiratet. "Ich mochte meinen Mann, aber geliebt habe ich ihn lange nicht. Das habe ich erst mit der Zeit gelernt."

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Familie Trapp heute: Die Nachkommen von Maria und Werner von Trapp Georg von Trapp war kein kaltherziger Patriarch, der Musik verabscheute. Im Gegenteil, der Baron dürfte ein emotionaler Schöngeist gewesen sein, weich, sanftmütig und nachgiebig. Die Familie flüchtete nicht mit Koffern und Instrumenten zu Fuß über die Alpen Richtung Schweiz. Sie reiste ganz offiziell mit dem Zug über Italien.

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Maria von Trapp (2008) Maria selbst war keineswegs eine ausschließlich liebenswerte, sanfte Persönlichkeit. Sie tendierte zu Zornausbrüchen, zum Herumwerfen von Gegenständen und Türenzuknallen, wie ihre Ziehkinder beteuerten. "Von einem Moment auf den anderen war sie wieder friedlich und tat, als sei nichts gewesen. Wir waren das von unserem Vater her nicht gewohnt, aber wir akzeptierten das als ein unangenehmes Gewitter, das sich Gott sei Dank schnell wieder verzog", so die Kinder in verschiedenen Interviews lange nach Marias Tod. Wirtschaftlich profitierte die Familie der Trapps nur marginal von den Musical- und Film-Erfolgen. Maria hatte die Rechte an die deutschen Filmproduzenten längst verkauft und war daher an den Hollywood-Produktionen kaum noch beteiligt. Auch inhaltlich war der Einfluss auf Musical und Film nur minimal. Maria von Trapp war zufrieden mit der Darstellung ihrer Person und akzeptierte das Produktionskonzept von Musical und Film. Unglücklich war sie allerdings mir der Personifizierung ihres Mannes Georg von Trapp, wie sie 1978 in der Washington Post erklärte. Die Reaktionen der Trapp-Kinder waren unterschiedlich - so wird von "Irritation" berichtet, "ausschließlich mit leichtgewichtiger Musik in Verbindung gebracht zu werden". Andere sprachen von "grober Vereinfachung". So erzählte Johanna von Trapp der New York Times im Jahr 1998, dass ihr Vater und ihre Familie deutlich kultivierter gewesen seien als später dargestellt. "Ich denke, die Realität ist weniger glamourös und zugleich viel interessanter als der Mythos."

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(apa / moe) Erstellt am
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