"Fadinger oder Die Revolution der Hutmacher", Stadttheater Linz.

© Christian Brachwitz

Held und Antiheld
02/09/2014

Held und Antiheld

"Fadinger oder die Revolution der Hutmacher": Durchwachsene Uraufführung der Stefan-Fadinger-Oper in Linz.

Was für Tirol der Andreas Hofer war, war für Oberösterreich Stefan Fadinger. Wenn auch nicht ein über das Land hinaus so bekannter Held, wurden doch viele Straßen etc. nach ihm benannt. Er war Führer eines Bauern-Aufstandes gegen eine grausame Obrigkeit. Sein Widerpart war Graf von Herberstorff, ein bösartiger Antiheld der bayrischen Besatzungsmacht, der 36 Männer, die 1625 mit vielen anderen Bewohnern von Frankenburg gegen die Einsetzung eines katholischen Pfarrers rebelliert hatten, in zynischer Weise paarweise gegeneinander um ihr Leben würfeln und 16 davon hängen ließ. Fadinger wurde durch Verrat aus den eigenen Reihen getötet.

Mit grotesker Ironie und deftiger Dialekt- aber auch Hochsprache begegnet der bekannte oberösterreichische Schriftsteller Franzobel dieser „edlen“ Geschichte. Mit„Fadinger oder Die Revolution der Hutmacher“beleuchtet er die sozialen Hintergründe der Zeit, hat ihr aber das idealistische Pathos gründlich ausgetrieben. Allerdings ist sein dramatischer Aufbau nicht immer stringent und lässt den zweiten Teil recht lang werden.

André Turnheim lässt die Hass-Liebe zwischen dem Grafen als Prototyp eines ausschweifenden Katholizismus und dem Bauernführer als Verkörperung eines freudlosen Protestantismus in einem kleinen, bescheidenen Häuschen im Heute spielen. Er spart nicht mit deftigen (Wein- und Fressorgie) und drastischen (Folterungen, Vergewaltigungen, Exekutionen, Brandstiftung) aber auch berührenden Momenten (Abschied des Titelhelden von Frau und Kinder). Trotzdem wirkt seine Regie durch die allzu strenge Modernität nicht immer stimmig und teils unentschlossen. Die Musik des renommierten Komponisten Ernst Ludwig Leitner aus Wels in seiner vierten Oper ist polystilistisch und von klanglicher Ästhetik. Neben historischen Formen wie Kirchen-, Trink- und Schlachtliedern und Zitaten, etwa aus dem Brahms-Requiem, wirkt sie insgesamt sehr kraftvoll expressiv, ist teils seriell aber überwiegend melodiös, sowie auch kammermusikalisch reduziert.

Der schlagtechnisch souveräne Dennis Russell Davies und das Brucknerorchester Linz setzen den komplexen, rhythmisch fein gewebten Klangteppich mit großer Spannung, Akribie und Transparenz um.

Martin Achrainer singt den Titelhelden mit wohltönendem, voluminösen Bariton. Ebenfalls sehr präsent und mit expressivem Countertenor ist Daniel Lager als dekadent und transsexuell gezeichneter Herberstorff mit Stöckelschuhen und Halskette zu erleben. Iurie Ciobanu (Zeller) und Matthias Helm (Wiellinger) singen ausdrucksstark. Gotho Griesmeier gefällt als Fadingers Frau, obwohl indisponiert angesagt. Etwas blass wirkt Martha Hirschmann (Cilli). Jubel und einige wenige Buhs!

Das Libretto von Franzobel

Mit deftiger Dialekt- und Hochsprache ausgestattet, dramaturgisch aber zu wenig packend gebaut.

Regie

Im Heute, teils unentschlossen.

Die Musik von Leitner

Polystilistisch, kraftvoll und ästhetisch und wird vom Brucknerorchester Linz unter Dennis Russell Davies und den überwiegend sehr guten Sängern akribisch und transparent umgesetzt.

KURIER-Wertung:

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