Kultur
21.08.2018

Eva Rossmann: Alle können wissen, was wahr ist

"Im Netz": In ihrem neuen Kriminalroman geschieht im Internet Unglaubliches – aber Reales.

Eva Rossmann schreibt Fakten.
Das bisschen Drumherum mit ihrer Heldin, der Journalistin Mira Valensky und ihrer aus Bosnien stammenden besten Freundin Vesna mit der Putzfirma –  das sind Transportmittel, damit die Menschen mehr hinterfragen.
Jetzt z.B. hinterfragen, was ihnen im Internet oder über manche Medien verkauft wird; damit sie – wie Rossmann sagt – „denen mit Skepsis begegnen, die laut schreien, andere verunglimpfen oder hetzen.“ Viel wäre dann gewonnen.
Rossmann schreibt Fakten, und wenn in ihren Roman immer auch gekocht wird, so geschieht das gegen die Verzweiflung.
Damit man die Fakten aushält, ist im aktuellen Roman „fregola“ das Überlebensmittel – Pasta aus Sardinien, winzige Hartweizengrießkugeln, in der Zubereitung der Autorin/Köchin etwas Besonderes. Man darf annehmen: Auch das ist Tatsache (Rezept am Schluss).

Hetze

Der Kriminalroman „Im Netz“ , ab heute im Buchhandel, hat als Hauptthema das Internet. Mögliche DDoS-Attacken auf Spitäler, Fluggesellschaften. Angriffe aus Fernseher und Kühlschrank usw. Gegen einen sozial engagierten Geschäftsmann – Importeur italienischer Lebensmittel – wird gehetzt, mit ausgestreuten Gerüchten wird er zum Verbrecher gemacht, zum Schlepper von Afrikanern nach Wien.
Das geht so einfach. Derartiges kann man in Auftrag geben. Fake News sind ein großes Geschäft; und sind mitunter mit einem Auftragsmord zu vergleichen.


KURIER: Sie erzählen von Unglaublichem, das übers Internet passiert. Klingt ja fast nach Verschwörungskrimi.
Eva Rossmann
: Im Gegenteil. Viele sagen: Wer weiß, was wahr ist. Das ist Unsinn. Und fatal. Denn wer hinschaut, kann Fakten von Fake News unterscheiden.

Den Dankensworten im Buch ist zu entnehmen, dass Sie sich bei  Hackern des Chaos Computer Clubs Wien Informationen beschafft haben.
Mein Kontakt mit der Wiener Hackerszene ist spannend und bereichernd. Und wieder einmal – Überraschung! – wurden Klischees nicht erfüllt. Diejenigen, die sich als Hacker verstehen, sind nicht die Bösen. Sie umgehen vielleicht da und dort Vorschriften, aber sie arbeiten im allgemeinen eng mit den Behörden zusammen. Freiheit und Respekt sind ihnen wichtig. Sie würden sich wünschen, dass man die wirklich Bösen endlich als Internetkriminelle oder Cyberkriminelle bezeichnet.

Testfrage: Was ist Stuxnet?
Eine Schadsoftware, die die Zentrifugen von Atomkraftwerken stört. Wird sie nicht rechtzeitig entdeckt, fliegt das Ganze total real in die Luft. Die USA und Israel haben diesen „Wurm“ gegen Atomanlagen im Iran entwickelt. Es ist aufgeflogen.

Und „citizen scores“?
China führt sie gerade ein, in Indien werden sie getestet. „Der Wert der Bürger“. Algorithmen kontrollieren das Wohlverhalten. Finanzkraft, Sozialkontakte, Mediennutzung werden gemessen. Wer das Falsche tut – wer die falsche Internetseite aufruft, die falschen Freunde hat, der bekommt Probleme: Auslandsreisen werden nicht genehmigt, Kinder bekommen keinen Platz an guten Schulen. Die meisten Chinesen finden das gut. Man sagt ihnen, es geht gegen Kriminalität und Korruption.

Im aktuellen Krimi schreiben sie auch von gezielten Angriffen auf NGOs, die Flüchtlinge aus Seenot retten.
Dass NGOs verunglimpft werden, ist leider auch ganz real. Ich habe versucht, ein wenig von den Mechanismen aufzuzeigen. Und welche Motivation dahinterstecken könnte.

So, jetzt ist die Verzweiflung groß genug: Soll man „fregola“  wie andere Pasta kochen?
Oder wie beim Risotto verwenden.  Eines meiner Lieblingsrezepte geht aber so: Zwiebel, Knoblauch, einen Peperoncino im Ganzen in Olivenöl anrösten, einen halben Liter Paradeissauce dazu, großer Zweig Rosmarin,  Schuss Wein. Zehn Minuten verkochen lassen, salzen, pfeffern. Dann Viertelliter Fregola dazu und langsam kochen lassen, bis sie al dente sind. Sardellen  darunter mischen und etwas geriebenen Pecorino drauf.

 

Eva
Rossmann:

„Im Netz“
Folio Verlag.
312 Seiten.
22 Euro.

KURIER-Wertung: ****