„Eskalationsmaschinen“: Wenn Sprache zur Waffe wird

Drei Darstellerinnen auf der Bühne.
Eine Sprachoper über die Stehsätze der Rechten von Bernd Liepold-Mosser im Theater am Werk.

„Naturschutz ja, Klimaschutz nein, denn die Natur ist real und das Klima gibt es gar nicht.“ Oder: „In Wahrheit ist die Demokratie die allergrößte Diktatur.“ Oder: „Wir leben in einer Meinungsdiktatur.“ Und die Presse? Sowieso nur eine Lügenpresse. Man kennt solche Sätze. Das ist alles nicht neu.

Man kann das schon alles nicht mehr hören, doch es ist unsere Realität. Populisten schlagen daraus täglich ihr Kapital. Egal, wo auf der Welt sie agieren.

Der Theatermacher Bernd Liepold-Mosser hat Wendungen und Stehsätze der Rechten zu einer „Sprachoper“ mit dem Titel „Eskalationsmaschinen“ komprimiert und in Kooperation mit Flying Opera im Theater am Werk zur Aufführung gebracht. Die österreichische Singer-Songwriterin Clara Luzia liefert dazu live einen eingängigen Begleitsound. Gespielt wird an und auf einem langen Tisch (Bühne: Karla Fehlenberg). Der ist mit einem rotbraunen Tuch bedeckt, drei Kerzenleuchter und ein Kristallluster, der von der Decke hängt, lassen so etwas wie Festbankettstimmung aufkommen. Doch die währt nicht lang.

Das Publikum nimmt an dieser Tafel Platz und wird so Teil der Performance. Die drei Darstellerinnen Isabella Händler, Suse Lichtenberger und Lisa Schrammel mischen sich unter das Publikum. Man nimmt sie zunächst gar nicht wahr, wenn Clara Luzia auf dem Akkordeon den Auftakt gibt und so etwas wie Stammtischatmosphäre erzeugt. Die Spielerinnen knallen dem Publikum ihre Banalitäten um die Ohren, diffamieren Frauen, links Linke, Ausländer und schimpfen über die EU. Am Ende rasen sie mit Pelzhauben und kleinen Geweihen in den Saal wie beim Sturm aufs Kapitol in Washington vor einigen Jahren. Der Abend führt vor, wie Sprache zur Gewalt wird, bleibt aber irgendwie kryptisch.

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