© Stephan Boroviczeny

Kultur
12/05/2011

Eröffnung der Medientage in Wien

Kritik an den heimischen Medien und Anleitungen zum Bessermachen. Die 18. Österreichischen Medientage stehen heuer unter dem Motto "Mut".

Die Medien als Mittäter: Mit kritischen Worten eröffnete Verleger Hans Jörgen Manstein am Dienstag die Österreichischen Medientage. An den jüngst aufgedeckten Skandalen, die "die Grundfesten der zweiten Republik erschüttern", seien die Medien des Landes mitschuld: "Statt zu kontrollieren haben sie adoriert, haben Geld und Sachleistungen angenommen und tun es heute noch".

Mitarbeitern würde es an "fachlicher Qualifikation und Akribie fehlen", was den Nährboden entstehen lasse, "auf dem das Geflecht an Korruption und anderen kriminellen Handlungen" gedeihe. Kritisch äußerte sich Manstein auch zur einseitigen Inseratenvergabe der Politik an Boulevardmedien. Viele Medien wüssten nicht mehr, "wozu sie da sind, weil sie nicht mehr wissen, was Tiefe und Reflexion sind". Sacharbeit und Intellekt hätten keinen Platz mehr. "Wir flüchten uns in das Bequeme, um nicht über das Richtige nachdenken zu müssen."
Eine Anleitung, wie es besser gehen könnte, formulierte WAZ -Geschäftsführer Bodo Hombach in Form von acht "guten Vorsätzen" für Qualitätsmedien.

Einer davon: die Kontrolle von Macht. "Ohne Kontrolle durch die von Medien hergestellte Öffentlichkeit wäre die politische Klasse rasch am Ende". Qualitätsmedien müssten auch bereit sein, gegen den Strom zuschwimmen, "ohne sich in die Schmollecke kleiner Zielgruppen zurückzuziehen".

"Qualitätsmedien widersetzen sich dem Trend zur Ereignisdemokratie. Sie wollen keine Inszenierungen, wo es um Inhalte geht." Durch ihre Allgegenwart hätten die Medien einen Einflusszuwachs erreicht, dem "Verantwortung und Selbstkontrolle" entsprechen müssten.

Glaubwürdigkeit

Qualitätsmedien, so Hombachs letzter "Vorsatz", seien mehr wert als sie kosten. Medienforscher in den USA hätten nachgewiesen, dass Werbung in vertrauenswürdigen Blättern profitiert, weil sie dort besser wirkt. Der Wettbewerbsvorteil von Qualitätsmedien bestehe in ihrer Glaubwürdigkeit.

Kritisch äußerte sich Hombach gegenüber dem (deutschen) Gesetzgeber: "Noch immer werden in Deutschland Kooperationsmodelle behindert, obwohl sie die Meinungspluralität nicht gefährden. Dem urwüchsigen Internet stehen die Parlamente zögernd bis hilflos gegenüber."

18. Medientage: Viel Diskussionsstoff

Programm Die 18. Österreichischen Medientage stehen unter dem Motto "Mut". Sie finden bis Donnerstag in der Wiener Stadthalle statt. Unter den Diskutanten und Vortragenden: RTL-Chef Gerhard Zeiler, Stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn, Naturwissenschafter Ernst Ulrich von Weizsäcker

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.