Ernst Hinterberger ist tot
Der österreichische Schrifsteller und Drehbuchautor Ernst Hinterberger ist heute Morgen nach KURIER-Informationen im Alter von 80 Jahren in Lainz gestorben. Hinterberger war selbst Polizist, bevor er 1984 seinen ersten Kriminalroman "Jogging" schrieb und darin seine persönlichen Erlebnisse einfließen ließ. Zu seinen erfolgreichsten Werken zählen "Ein echter Wiener geht nicht unter", "Kaisermühlen-Blues" und die "Trautmann"-Romane.
Hinterberger lebte bis knapp vor seinem Tod in einer 44-Quadratmeter-Gemeindewohnung am Wiener Margaretengürtel und war praktizierender Buddhist. Wie er zum Buddhismus fand, erklärte Hinterberger einmal folgendermaßen: "I hob wo g‘lesen, dass der Marlon Brando "Laotse" liest, und do hob i mir docht, wenn der des liest, daun kaun i des ah."
"Ein echter Wiener..."
Während der Fernseh-"Mundl", dargestellt von Karl Merkatz, ein herzensguter Querulant war, ist die Originalfigur aus Hinterbergers Roman "Das Salz der Erde" ein ekelhafter Mann in der Midlife-Crisis, der nach und nach die Kontrolle über seine Familie verliert. 2008 erschien mit "Echte Wiener – Die Sackbauer-Saga" der Film zur Serie, das Drehbuch stammt von Ernst Hinterberger.
"Trautmann"
Trautmann ermittelte erstmals 1998 in dem Kriminalroman "Die dunkle Seite". Mit der ORF-Serie "Kaisermühlen Blues" wurde die Figur des Trautmann, dargestellt von Wolfgang Böck, erst richtig bekannt. Als Hinterberger 1999 den "Kaisermühlen-Blues" beenden wollte, wurde er vom ORF für eine Spin-Off-Serie beauftragt.
"Wien ist für mich der fünfte Bezirk"
Ernst Hinterberger hatte immer einen guten Spruch auf Lager. Neben seiner Aussage, wie er zum Buddhismus gekommen sei, hier noch zwei weitere Highlights.
Zum Thema, dass Hinterberger sich sofort ein Haus kaufen könnte: "Für zwa Leit is des [die kleine Gemeindewohnung] ausreichend." […] "Des interessiert mi net. Ich bin 200 Meter von hier in einem Hinterhof aufg‘wachsen. Dort hob i nur Dächer g‘sehen. Sonst war ich auf der Gossn. Daher sogt mir auch ein Garten nix. Oda die Natur … Ja, die Bäume sind grün. Mir gefällt‘s genauso, wenn kane Blätter drauf san."
Zum Thema seines Wohnortes, von dem wegzuziehen ihm nie in den Sinn gekommen sei: "Ich bin in dem Grätzel aufgewachsen, das ist mein Zuhause. Döbling, Währing, Hietzing: Das ist Ausland. Wien ist für mich der fünfte Bezirk."
Reaktionen auf den Tod von Ernst Hinterberger
" Ernst Hinterberger hat die Sprache der Österreicherinnen und Österreicher gesprochen und Themen aufgegriffen, die das Land tatsächlich bewegten. Niemals scheute er den politischen Konflikt als Aufgabe der Literatur. In diesem Sinne war er ein wahrer Volksdichter des 20. Jahrhunderts ohne Schnörkeln und ästhetische Verschönerungen. Durch seinen Tod verliert Österreich einen herausragenden Künstler der Alltagssprache", so Kulturministerin Claudia Schmied zum Tod von Ernst Hinterberger.
" Ernst Hinterberger war ein Original und schuf Originale, war eine Persönlichkeit und schuf Persönlichkeiten", so ÖVP-Kultursprecherin Silvia Fuhrman.
"Mit Ernst Hinterberger verlieren wir einen vielseitigen Künstler, der gleich mehrfach Fernsehgeschichte geschrieben hat. Als Autor von `Ein echter Wiener geht nicht unter`, `Kaisermühlen-Blues` und `Trautmann` hat er unvergessliche Publikumserfolge geschaffen, die immer auch Milieustudien und nachdenklich machende Sozialgeschichten waren", so SPÖ-Kultursprecherin Sonja Ablinger.
Tief betroffen vom Tod Ernst Hinterbergers zeigt sich AK Präsident Herbert Tumpel: "Als Schriftsteller und Drehbuchautor hat Ernst Hinterberger dafür gesorgt, dass die gewöhnlichen Menschen in unserer Gesellschaft auch als wichtig gelten. Dieses Anliegen haben wir geteilt." Für die "kleinen Leute" schrieb Ernst Hinterberger auch 15 Jahre lang die Kolumne "Kollegen" in AK FÜR SIE, der Mitgliederzeitschrift der Arbeiterkammer Wien. " Ernst Hinterberger stand auf der richtigen Seite", sagt Tumpel, "mein Mitgefühl gehört seinen Angehörigen, besonders seiner Frau Carla." - "Wir haben nicht nur einen Kollegen, wir haben einen Freund verloren."
"
Hinterberger hat die Seele der Österreicher unvergleichlich verstanden und mit großer Originalität und Witz in seinen Figuren widergespiegelt", so FP-Kultursprecherin
Heidemarie Unterreiner.
"Die unverkrampfte und offene Persönlichkeit
Hinterbergers wird der österreichischen Kultur fehlen", betonte Unterreiner. "Seine legendären Figuren, über die wir uns köstlich amüsiert haben, werden das
Andenken an ihn noch lange aufrecht erhalten", so Unterreiner weiter.
" Wien verliert mit Ernst Hinterberger einen Künstler, der mit seiner Heimatstadt für immer aufs Engste verbunden bleiben wird," reagiert Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny betroffen auf das Ableben des Schriftstellers. "Er hat die einfachen Menschen in den Mittelpunkt seiner Geschichten gestellt. Arbeiter und Arbeitslose, Hausmeister, Polizisten und Trafikanten waren die Helden seiner Texte, denen er und damit auch der Stadt ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Seine Bücher `Ein echter Wiener geht nicht unter`, `Kaisermühlen Blues` und `Trautmann` sind legendär und haben Kultstatus. Seine ungeteilte Sympathie gehörte den Schwachen, den Armen, jenen, die auf der unteren Skala in der Gesellschaft rangieren, jenen, die keine Sprache haben. Ihnen gab er eine Stimme", schloss Mailath.
"Mit
Ernst Hinterberger beendet ein unbestechlicher Geschichtenerzähler seine Passion und
Österreich verliert einen Künstler der es schaffte alle Bevölkerungsschichten anzusprechen", sagt der Kultursprecher der Grünen,
Wolfgang Zinggl.
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