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Kultur
02/22/2021

Um die Welt in der Disco: Daft Punk haben sich getrennt

Ende der Formation nach 28 Jahren. Prägten den Sound mit Hits wie "Around The World" oder "Get Lucky".

von Georg Leyrer

Das erfolgreiche Elektropopduo Daft Punk hat sich getrennt. Das berichtet Pitchfork. Daft Punk, 1993 in Paris gegründet, waren Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo. Sie haben einige der erfolgreichsten Tanznummern der Welt geschrieben.

Wer in diesem Jahrtausend an einer Disco auch nur mit dem Auto vorbeigefahren ist, hat jetzt gleich einen Ohrwurm: „One More Time“, sang eine durch alle rumliegenden Filter gewurstete Roboterstimme 2001, und damals waren die Tanzflächen noch offen. Die Zukunft hatte Retrochic, der ihr zuletzt ein bisschen unter die Viren gekommen ist. Und Daft Punk, die französischen DJs mit den lustigen Raumfahrerhelmen, eroberten die Discos und die Hitparaden.  
 

Die beiden Franzosen Guy-Manuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter kamen aus der französischen House-Musik der 1990er Jahre. Weltberühmt aber wurden sie mit dem Soundtrack zur Jetzt-Aber-Wirklich-Digitalisierung, einer Art runderneuertem Kraftwerk-Klang für platzende Dot-Com-Blase und Smartphone-Wischgesten. Sie produzierten einen Zukunftssound, der den größtmöglichen Umweg über die große Zeit des Discotanzens genommen hat.

Sie besangen die Digitale Liebe, zeigten Filme in Cannes, gingen mit auf Hochglanz polierten Helmen und heruntergelassenem Visier zu Eröffnungsgalas. Und sie wurden zur doppelten Stilikone, die in allerlei popkulturell prägenden Momenten der 2010er die Finger drin hatten.
Da holten sie nämlich Disco-Legende Giorgio Moroder wieder an die Spitze der Charts und brachten Nile Rodgers und Pharrell Williams für den Überhit „Get Lucky“ zusammen. Und sie waren Co-Produzenten von Kanye Wests epochalem Album „Yeezus“.

Was war das nochmal gleich, eine Disco?

Wer sich derzeit nicht so recht dran erinnert: Noch vor wenigen Monaten trafen einander Menschen bei Kunstlicht, Brülllautstärke, überteuerten Getränken und mit der Aussicht auf Abenteuer virologisch bedenklicher Art zum gemeinsamen Durcharbeiten der Nacht. Dazu gab es Musik und oft auch anderes Zeug, die glücklich machen sollen. Dass Corona das alles derzeit verunmöglicht, zeigt nur, was das für ein bescheuertes Virus ist: Das Nachtleben ist Grundnahrungsmittel für die Existenz vieler.

Mit zubereitet haben es Daft Punk. Wie das so ist auf dem Tanzboden, sind sie nicht mit ihrem Wortschatz oder mit Melodieführungen, in denen es sich leicht verlaufen lässt, bekannt geworden.  Die Lyrics zu „Around The World“ bestanden aus den Worten „Around The World“ auf Dauerschleife.   Auch „One More Time“ kommt im gleichnamigen Song mehr als ein Mal vor.

Thema war für die beiden eher die geschmackvolle Reduktion, die Feinspitze ebenso anzog wie das breite Publikum (sie machten etwa den Soundtrack zum Disney-Film „Tron Legacy“). Mit dem fünffach Grammy-ausgezeichneten Album „Random Access Memories“ und der Single „Get Lucky“ schafften sie es 2013 in die Top 10 in 32 Ländern weltweit.

Wie das so ist, sind gerade in Frankreich Massentauglichkeit und hohe Kunst kein Widerspruch. Daft Punk erhielten die Verdienstorden der Nation, sie zeigten Elektronikkunstausstellungen, und Coca-Cola lieferte sein Hitgetränk in Flaschen, auf denen „Daft Coke“ stand.  
Nun hat das Duo mit einem achtminütigen Video-Epilog seine Trennung nach 28 Jahren bekannt gegeben.

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