Kultur
03.05.2018

Emotional gefangen an der leuchtenden Angelschnur

Die KHM-Außenstelle im Theseustempel zeigt ein Werk von Félix González-Torres

Das Kunsthistorische Museum (KHM) hat wieder seine Reuse ausgelegt: Wie der Käfig, der etwa zum Fang von Aalen in den See geworfen wird, steht der Theseustempel im Wiener Volksgarten bis 1. Oktober täglich von 11 bis 18 Uhr offen. Wer hineingeht,wird – schnapp – als KHM-Besucher gezählt.

Zwei von der Decke hängende Lichterketten dienen dabei als Köder, könnte man meinen. Tatsächlich handelt es sich um ein Werk des US-kubanischen Künstlers Félix González-Torres (1957 – 1996) mit dem Titel „Untitled (Lovers – Paris)“ von 1993.

Liebe und Glühbirnen

Die Frage, welcher Prozentsatz der Passantinnen und Passanten sich auf die Symbolik der Lichtstränge einlassen wird, ist müßig – wie beim Fischfang gibt es auch in der Kunst eine schwer zu ermittelnde Trefferquote. Fakt ist, dass das vordergründig Unspektakuläre tief im Werk des Künstlers, der mit nur 38 Jahren an den Folgen von AIDS starb, eingeschrieben ist. Und wer einmal auf die Poesie von González-Torres’ Setzungen angebissen hat, wird sich schwertun, sich wieder von ihnen zu lösen.

Die Werke, die González-Torres innerhalb weniger Jahre erdachte, kreisen meist um Liebe und Verlust: 1991 war Ross Laycock, der Partner des Künstlers, an AIDS verstorben. Die Lichterketten entstanden in der Folge als Monumente für die beiden Liebhaber, wobei der Umstand, dass die Glühbirnen begrenzte Lebensdauer aufweisen, im Konzept mitgedacht wurde. González-Torres verfügte auch, dass Birnen ausgetauscht werden sollten – als Zeichen für Hoffnung und Regeneration.

In der Verdichtung solcher Ideen auf banale Objekte besteht González-Torres’ Meisterschaft; im meditativen Tempel-Innenraum lässt sie sich, etwas Offenheit vorausgesetzt, nachspüren. Das KHM-Konzept sieht darüber hinaus vor, Besucherinnen und Besucher an der geistigen Angelleine ins Haupthaus hinüberzuziehen: Dort ist eine weitere Arbeit von González-Torres als Teil der Ausstellung „The Shape of Time“ bis 8. Juli ausgestellt. Es sind zwei Uhren, die dieselbe Zeit anzeigen, sie heißen „Perfect Lovers“. Irgendwann wird eine von ihnen den Geist aufgeben, man weiß nicht, welche zuerst. M. Huber