Kultur
01.05.2018

Elfriede Jelineks erster Vampir als Comics

Der Wiener Mahler (Bild) beginnt: Die Serie gezeichneter Horrorliteratur erscheint im Hamburger Carlsen Verlag.

Die Bücher des Zeichners Mahler – als „bester deutschsprachiger Comic-Künstler“ geehrt, aber das bedeutet noch keine Millionenauflage – verkaufen sich angeblich besonders gut, wenn zunächst von der Brustwarze die Rede ist.

Gern noch einmal (und immer wieder): In Chicago ging der Wiener an der

Tür des Schönheitschirurgen Dr. Pensler vorbei. Es gefiel ihm, dass dessen Ordination gleich im Playboy-Gebäude untergebracht ist.

Danach erfuhr Mahler von vielen Beschwerden. Ein Patient Penslers beklagte sich, eine Brustwarze sitze jetzt viel höher ...

Wie Urlaub

Mahler hat, im Suhrkamp Verlag, Thomas Bernhards „Alte Meister“ grafisch adaptiert, dann Musils „Mann ohne Eigenschaften“, zuletzt Proust. Das gelang mit wenigen Strichen ohne Ohren, ohne Augen, ohne Mund – aber mit viel Charakter.

Dagegen war Elfriede Jelineks Kurzgeschichte „Der Fremde“ fast wie Urlaub: Nur 13 Seiten Originaltext.

Ein Frühwerk der damals Nochnichtnobelpreisträgerin, von Peter Handke für eine Gruselgeschichtenanthologie im Residenz Verlag 1969 verwendet.

Gurke und Brezel

Dieser Fremde war gewissermaßen Jelineks erster Vampir – ein sehr wandelbarer Typ, einmal „ein haufen ungewaschener eingeborener“, dann „sehr männlich“ und an anderer Stelle „ein sehr hübsches mädl“.

Jelinek-Forscher würden sagen, Vampire haben für sie damals die weibliche Existenz verkörpert, die nie ganz da sei und nie ganz weg.

Mahlers „Fremder“ – der Auftakt einer Serie gruseliger Literaturcomics, die der Hamburger Carlsen Verlag zu je 12,40 Euro Montag auf den Markt brachte – ist (selbstverständlich) keine Nacherzählung. Der Zeichner hat umgestellt, den Humor verstärkt, auf die Gurkennase nicht verzichtet, der Bäckersfrau eine Brezelfrisur verpasst, die Sicht erweitert.

Er gibt der eigenen Leseerfahrung die Bilder – „man könnte es auch verpanschen nennen“ (zum KURIER).

Letzte Meldung: Mahler plant jetzt tatsächlich einen Comics über Dr. Pensler.

Endlich.

INFO:  Buchpräsentation Mittwoch, 2. Mai 2018 um 19 Uhr, im Literaturhaus Wien (Seidengasse 13). Der Carlsen Verlag präsentiert insgesamt drei Literaturadaptionen der Serie „Die Unheimlichen“. Die Zeichner sind anwesend. Eintritt frei.