© Andreas G. Waldschuetz

Kultur
06/06/2019

Electro-Pop-Duo Konea Ra singt über Schutzengel und Schlampen

Nach einer Pause melden sich Stephanie Zamagna und Matthias Cermak mit einem Tribut an die Vinyl-Ära zurück.

Vinyl“, da ist sich Konea-Ra-Sängerin Stephanie Zamagna sicher, „führt zu einem aktiveren Zuhören.“ Und ihr Electronic-Duo-Partner Matthias Cermak bekräftigt: „Man legt die Nadel auf und nimmt sich Zeit, zumindest diese eine Seite einmal in einem durchzuhören! Da wird kein Track ausgelassen, übersprungen oder die Reihenfolge durchgemixt.“

„In diesem Geist“ schreiben Konea Ra ihre Musik – nicht in dem von Streaming-Diensten, wo der Fokus auf einzelnen, unabhängigen Songs liegt. Weil sie aber wissen, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Hörer gesunken ist, haben sie ihr drittes Album in zwei Portionen geteilt: „Side A“ erschien schon Ende Jänner – sechs Songs als Download. Soeben ist „Side B“ mit weiteren sechs Songs als Download erschienen – und gleichzeitig beide Pakete als getrennte Vinyl-Platten.

Amadeus-Nominierung

2014 ist das letzte selbstbetitelte Album des Duos erschienen, was ihnen bei der Amadeus-Verleihung 2015 eine Nominierung für den FM4-Award einbrachte. Danach wurde Cermak zweifacher Vater, Zamagna baute sich eine Booking-Agentur für Musik auf und bekam ebenfalls ein Kind. So waren Konea Ra längere Zeit nicht in der Öffentlichkeit präsent und passten sich beim Comeback mit dem Zwei-Portionen-Format den neuen Hörgewohnheiten an.

„Mittlerweile kannst du CDs nicht einmal mehr verschenken“, erklärt Cermak im KURIER-Gespräch. „Ich habe gelesen, dass ein US-Rapper, der auf Platz eins war, 90 Millionen Streams hatte, aber nur 882 CDs verkaufen konnte. Leute, denen ein guter Hi-Fi-Sound wichtig ist, hören Vinyl. Und die anderen streamen am Computer oder am Handy.“

Musikalisch bleiben die beiden ihrem Electro-Pop-Sound treu, der sich je nach Stimmung mehr in Richtung Indie oder Dream-Pop lehnt und starken Bezug zu den gerade wieder aufkommenden Sounds der 90er-Jahre hat. Neu ist die Direktheit der Texte, die Zamagna zu den Beats von Cermak schreibt. „Bei den ersten beiden Alben waren die Songs stark verklausuliert und kryptisch, einfach weil ich damals Lust darauf hatte“, erzählt sie.

Kryptisch

„Jetzt sage ich Dinge zum Beispiel in Liebesliedern viel deutlicher und direkter – teilweise so direkt, dass es mich im Nachhinein selbst erschreckt hat. Dass ich mich das jetzt traue, hängt sicher mit dem Älterwerden zusammen, dass man sich damit öffnet und vielleicht auch eine Pfeif-Drauf-Haltung entwickelt.“

Verarbeitete Zamagna am vorigen Album höchst emotionale Erlebnisse mit der Großmutter, dem Vater, der Nichte und dem Ex-Freund, sind die neuen Lieder zwar persönlich, aber allgemeiner. Es geht um „Bitches“ oder „Laura“, ein Mädchen, das von einem Schutzengel begleitet wird. „Supercharger“ handelt von den positiven Auswirkungen einer Trennung: „Wenn man das überwunden hat, kommt ein Punkt, an dem man wieder fest auf eigenen Beinen steht und das Leben und die Unabhängigkeit genießen kann“.

Bei der Produktion geholfen hat Konea Ra Vlado Dzihan (Dzihan & Kamien): „Anfangs sollte er uns nur ein wenig beim Mix zur Seite stehen“, sagt Cermak. „Aber wir haben seine Begeisterung für unser Projekt und seine große Musikalität so gerne aufgenommen, dass er bei manchen Songs zum dritten Bandmitglied wurde. Es war so toll mit einem Musiker zusammenarbeiten zu können, von dem ich einmal Fan war.“