Kultur
26.03.2018

Einsamkeit, visualisiert mit präparierten Tieren

Am 9. Mai hat im Wiener Volkstheater das David-Bowie-Musical "Lazaraus als österreichische Erstauführung Premiere.

„Beurteilt uns nicht zu kritisch“, bat Miloš Lolić, Regisseur von „Lazarus“ am Wiener Volkstheater alle Fans von David Bowie, als er und sein Ensemble die Produktion bei einer Pressekonferenz vorstellten. Denn, sagte er, es sei nicht nur eine große Ehre, sondern auch eine große Verantwortung einem großen Künstler gegenüber. Die wird laut Lolić dadurch verstärkt, dass das erst die dritte Produktion und in Österreich die erste ist, die das von Bowie kurz vor seinem Tod im Jänner 2016 fertiggestellte Werk interpretiert.

„Lazarus“ schließt an den Film „Der Mann, der vom Himmel fiel“ an, in dem Bo wie 1976 Thomas Jerome Newton spielte – einen Alien, der auf der Erde von den neugierigen Menschen betrogen und so zugerichtet wird, dass er nicht mehr zurück kann. Lazarus trifft Newton Jahre später: Er hängt seiner alten Liebe Mary-Lou nach, kann nicht sterben und betäubt die innere Leere mit Gin. Plötzlich taucht ein Mädchen auf, das ihm helfen will.

In Wien spielt Katharina Klar das Mädchen. „Sie weiß nicht viel über sich, oder warum sie bei Newton auftaucht, ist so zur absoluten Gegenwart verurteilt, geht aber gelassen damit um“, sagt Klar. „Newton dagegen hängt sehr an seiner Vergangenheit, während das Mädchen im Gegensatz dazu pragmatisch und unbedarft einen Ausweg sucht.“

Newton wird im Volkstheater von Günter Franzmeier gespielt. Er war überrascht, dass er die Rolle bekam: „Ich bin eigentlich zu alt dafür“, erklärt er im KURIER-Interview. „Aber weil wir alles innerhalb des Volkstheater-Ensembles besetzt haben, ging es dabei – neben dem Singen – auch darum, wer gerade frei und nicht in einem andern Stück engagiert war.“

Franzmeier und Lolić wollen bei Lazarus dem Publikum den größtmöglichen Interpretationsspielraum geben: „Wir haben eine Idee, die ein bisschen vom Skript abgeht“, sagt Franzmeier. „Ich verrate sie nicht, weil wir erst in der zweiten Probenwoche sind und nicht wissen, ob das klappt. Aber durch diese Idee sollte der Zuschauer für jede Szene selbst entscheiden können, ist das real oder eine Vision von Newton.“

Im Gegensatz zu den beiden bisherigen Produktionen will Bühnenbildner Wolfgang Menardi ohne Video-Schirme auskommen. Er setzt stattdessen auf eine artifizielle, kahle Kulisse, der er mit präparierten Tierkörpern Atmosphäre gibt. Denn: „Die haben auch dieses Flair, nicht sterben zu können und ewig da zu sein!“ Brigitte Schokarth