Eine Hommage an New York City

Wo Woody Allen seinen ersten Auftritt als Stand-Up-Comedian hatte und Alkohol vor der Prohibition versteckt wurde. Diese Lokale schrieben Geschichte. James T. und Karla L. Murray dokumentieren das nächtliche New York.

Das Fotografenpaar James T. und Karla L. Murray präsentieren die US-Metropole in dem im Dezember erscheinenden Bildband „New York Nights“ von einer Seite, die es so vielleicht schon bald nicht mehr geben wird. Denn die sogenannten Mom-And-Pop Stores, auf Deutsch auch Greißler genannt, die das New Yorker Stadtbild so geprägt haben, sind vom Aussterben bedroht. Seit den späten 1990ern fotografieren James T. und Karla L. Murray ihre Heimatstadt und haben damit im Bereich der urbanen Dokumentation neue Maßstäbe gesetzt. Nach dem erfolgreichen Fotoband "Store Front – The Disappearing Face of New York", setzen sie ihre Reihe über New Yorks Schaufenster fort. Diesmal ausschließlich bei Nacht. Die bunte Beleuchtung all dieser kleinen Läden gibt dem Nachtleben ein eigenes Flair und spiegelt das rege Leben wider, das in New York auch nach der Abenddämmerung herrscht. Mit einer 35 mm-Kamera zogen die Murrays um die Häuser und statteten Bars und Kneipen, Hot-Dog-Ständen und unterschiedlichen Etablissements einen nächtlichen Besuch ab. Außerdem interviewten sie die Lokalbesitzer und wissen so manche interessante Geschichte zu erzählen. Der Poet Dylan Thomas trank zum Beispiel gerne mit See- und Bergarbeitern in der White Horse Tavern. Mark Twain wiederum löste seine Rezepte um die Jahrhundertwende bereits in der C.O. Bigelow Apotheke in Greenwich Village ein. Der Vater des derzeitigen Besitzers des Coney Island Wonder Wheel hat seiner Frau oft gesagt, dass er ihr eines Tages das Riesenrad als Hochzeitsgeschenk kaufen wird - "ein Ring so groß,... ...dass jeder in der Welt sehen kann, wie sehr er sie liebt." Die interviewten Personen erzählen auch gerne Anekdoten von berühmten Stammgästen wie Frank Sinatra oder Ava Gardner. Oder von aufwendig verkleideten Geheimtüren während der Prohibition. Die heutigen Besitzer des Theatre 80 St. Marks in East Village fanden in ihrem Lokal einen verschlossenen Safe mit über zwei Millionen Goldzertifikaten von 1928. Der gehörte übrigens einem ehemaligen Gangster. Im selben Lokal arbeitete Frank Sinatra 1948 als singender Kellner. Das Village Vanguard ist hingegen der älteste, sich kontinuierlich in Betrieb befindende Veranstaltungsort für
Jazzmusiker. Seit 1957 wurden mehr als hundert "Live at the Vanguard"-Aufnahmen veröffentlicht. Als Dokumentation eines langsam verschwindenden Stadtbildes in Kombination mit erstaunlichen Interviews kann "New York Nights" zu Recht als Stück Kulturgeschichte bezeichnet werden. Am 14. Dezember erscheint "New York Nights" bei uns und ist sicher ein passendes Weihnachtsgeschenk für alle Fans des Big Apple. "New York Nights" von James T. und Karla L. Murray erscheint im Dezember auf Englisch im Gingko Verlag, Hardcover, 276 Seiten
(Kurier) Erstellt am
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