© Peter Samer / Festspielhaus Neuschwanstein Füssen

Kritik
10/22/2021

Ein Musical-"Zeppelin“ fliegt über Neuschwanstein

Der deutsche Hitkomponist Ralph Siegel hat sich mit der neuen Produktion einen Lebenstraum erfüllt. Nun gab es die Uraufführung.

Das „Märchenschloss“ Neuschwanstein konnte der Erbauer König Ludwig II wegen Geldmangels nicht fertigstellen. Mehr als 1,5 Millionen staunende Touristen jährlich, hauptsächlich Amerikaner und Japaner, besuchen im Rahmen von Europa-Kurztrips diese Sehenswürdigkeit. Es ist nicht überliefert, ob Walt Disney dieses Hauptwerk des Historismus je gesehen hat. Er hätte sicher das Schloss abtragen lassen und als Firmensitz in Los Angeles neu aufgestellt.

20.000 Tickets verkauft

Am gegenüberliegenden Seeufer liegt das Festspielhaus Füssen, vom Freistaat Bayern und anliegenden Gemeinden nicht subventioniert, daher ebenfalls in finanziellen Nöten. Drei Konkurse konnte man bisher verzeichnen.

 

70 Vorstellungen sind bisher angesetzt, 20.000 Karten sollen bereits verkauft sein. Diese bombastische Show über den Pionier der Luftschifffahrt, Graf Ferdinand von Zeppelin, sein Leben und auch das Schicksal der Passagiere der vor Lakehurst in Flammen aufgegangenen LZ 129 „Hindenburg“, ist ein Musicalstoff, der von einem erfahrenen Autor auf der Bühne durchaus erfolgreich umgesetzt werden könnte. Dem Berliner Buchautor Hans Dieter Schreeb, der bisher Romane und Folgen für TV-Serien schrieb, auch drei schwache Musicals, ist dies hier nicht gelungen.

Entweder er kennt die dramaturgischen Regeln nicht, oder hat diese trotzig über Bord geworfen. Überbordende Handlungsstränge, inklusive Kapitalismuskritik, Frauenrechte und Mindestlohn fördern nicht unbedingt die Aufmerksamkeit des Publikums.

Für den erfolgreichen Schlager-Komponisten und Songcontest-Veteranen Ralph Siegel ist mit der Premiere von „Zeppelin“ ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Fünf Jahre Vorbereitungszeit hat er für das Musical benötigt, zweimal war die Premiere wegen der Corona-Pandemie und diverser Zerwürfnisse verschoben worden.

Songreichtum

Das Resultat kann sich hören lassen: ein Reichtum an Songs, die gleich für drei Musicals gereicht hätten, wenngleich obligatorische Hits fehlen. Die Orchestrierung hätte er lieber, wie üblich, einem Profi überlassen sollen. Als Co-Produzent von „Zeppelin“ hat Siegel vorab die Hälfte seiner Villa verpfändet.

Abgesehen von einer drastischen Kürzung des Stücks (derzeitige Länge vier Stunden) sollte er für künftige Inszenierungen das „Leading Team“ wechseln. Der Regisseur Benjamin Sahler ist schlicht überfordert, die Choreografie (Stefanie Görning) langweilig und die Ausstattung hat einige Fehler.

Großartig dagegen die Solisten Uwe Kröger, Sigmar Solbach, Patrick Stanke, Mathias Edenborn und Josephin Kleverlaan, die von einem sehr spielfreudigen Ensemble begleitet werden.

 

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