Ein Museum für Beethoven

Ludwig van Beethoven, Beethoven Museum in Wien Hei…
Foto: Kurier/Gerhard Deutsch/Wien Museum Ludwig van Beethoven

Demnächst wird Wiens erste umfassende Gedenkstätte für das Musikgenie eröffnet.

In Wien gibt’s ein Zirkus-, ein Bestattungs-, ein Kondom- und ein Schnapsmuseum – aber ein Museum, das an Ludwig van Beethoven erinnert, hatte die Stadt bisher nicht zu bieten. Und das, obwohl der Musikgigant hier 35 Jahre gelebt und rund 40 Wohnungen bewohnt hat. Zwar hängen an vielen Häusern Tafeln, die an Beethovens Aufenthalte erinnern und in manchen Gebäuden sind Gedenkräume eingerichtet – aber ein richtiges Museum wie es für Mozart, Schubert oder die Familie Strauß existiert, hat Beethoven nicht. Höchste Zeit also, eine würdige Erinnerungsstätte zu schaffen.

Ludwig van Beethoven, Beethoven Museum in Wien Hei… Foto: KURIER/Gerhard Deutsch Haus Probusgasse 6 wird Beethoven-Museum

Große Sorgen

Es ist nicht irgendein Haus, in dem in wenigen Tagen Wiens erstes Beethoven Museum eröffnet wird. Die repräsentativen Ausstellungsräume entstehen im Haus Probusgasse Nr. 6 in Wien-Heiligenstadt, in dem der Komponist den Sommer und Frühherbst des Jahres 1802 verbrachte. Beethoven war damals 32 Jahre alt, gesundheitlich durch Überanstrengung geschwächt, von einer unglücklichen Liebe enttäuscht, durch finanzielle Sorgen und zunehmende Schwerhörigkeit belastet. In dieser schwierigen Phase seines Lebens riet ein Arzt dem unermüdlich Komponierenden, Wien vorübergehend zu verlassen, um im damaligen Vorort Heiligenstadt Erholung zu suchen und heilende Quellen zu gebrauchen.

Skizzen zur Eroica

Beethoven mietete sich in der Probusgasse (die damals Herrengasse hieß) an und komponierte trotz angeschlagener Gesundheit auch hier weiter. In der kleinen Gartenwohnung und auf Spaziergängen in den Grinzinger Weinbergen entstanden u. a. Skizzen zu seiner großen Sinfonie Eroica.Weltberühmt wurde das Haus Probusgasse 6 aber, weil Beethoven hier während des ersten Landaufenthalts seines Lebens das "Heiligenstädter Testament" verfasste, in dem er den schleichenden Verlust seines Gehörs beklagte. In tiefer Depression rief er der Nachwelt mit erschütternden Worten zu:

"O, ihr Menschen, die ihr mich für störisch oder Misantropisch haltet, wie unrecht thut ihr mir, ihr wisst nicht die geheime ursache von dem, was euch so scheinet. Bedenket, dass seit 6 jahren ein heilloser Zustand mich befallen… Welche Demütigung, wenn jemand neben mir stund und von weitem eine flöte hörte und ich nichts hörte. Es fehlte wenig, und ich entledigte selbst mein Leben. Nur sie, die Kunst, sie hielt mich zurück… Und so friste ich dieses elende Leben… Mit Freuden eil ich dem Tode entgegen… Heiligenstadt, am 6. October 1802, Ludwig van Beethoven."

Die ärztlich verschriebenen Schwefelkuren in Heiligenstadt halfen gegen die fortschreitende Ertaubung ebenso wenig wie neue Hörrohrsysteme aus Holz, Stein und Metall, in die er so viel Hoffnung gesetzt hatte.

Bäckerei im Parterre

In dem 1732 errichteten Haus Probusgasse 6, in dem sich zu Beethovens Zeiten auch eine Bäckerei mit Gassenverkauf befand, war bisher schon eine 45 kleine Gedenkstätte untergebracht, der größte Teil des Hauses, das sich im Besitz der Gemeinde Wien befindet, beherbergte aber Wohnungen und ein Büro der Beethoven Gesellschaft. Nun ist die letzte Mieterin ausgezogen und das gesamte Haus zu einem 250 Quadratmeter großen Museum ausgebaut worden.

Zu dessen Ausstellungs-Highlights zählen neben Originalbriefen und Gemälden des Meisters ein Faksimile des "Heiligenstädter Testaments" und ein Original-Streicher-Klavier, auf dem das Musikgenie möglicherweise selbst gespielt hat. Besonders interessant sind Kopien einiger "Konversationshefte", mit deren Hilfe sich Beethoven – als er nicht mehr hören konnte – mit seinen Zeitgenossen schriftlich unterhielt.

Ludwig van Beethoven, Beethoven Museum in Wien Hei… Foto: KURIER/Gerhard Deutsch Julia Guicciardi

Unerfüllte Liebe

Einer der Gründe, warum der Komponist sich im Sommer 1802 in die Probusgasse zurückzog, war die unerfüllt gebliebene Liebe zu seiner 20-jährigen Klavierschülerin Giulietta "Julia" Gräfin Guicciardi, die er als "liebes, zauberisches Mädchen" bezeichnete, "das mich liebt und das ich liebe. Es ist das erste Mal, dass ich fühle, dass heirathen glücklich machen könnte. Doch leider ist sie nicht von meinem Stande." Und das war auch der Grund, warum Julia den Komponisten nicht erhörte – sie war Aristokratin, er von bürgerlicher Herkunft. Was von dieser Liebe geblieben ist, ist die berühmte Mondscheinsonate, die er Julia gewidmet hat.

Da Touristen und Wiener immer wieder das Fehlen eines umfassenden Beethoven Museums beklagen, könnte das Haus in der Probusgasse ein neuer Publikumsmagnet der Stadt werden.

Die Tragödie eines Genies und Wiens neues Beethoven-Museum

Das Genie Beethoven wurde 1770 in Bonn geboren und kam 1787 erstmals nach Wien, um bei Mozart Komposition zu studieren. Ab 1792 lebte er ständig in Wien. Er litt seit seinem 30. Lebensjahr unter diversen Krankheiten wie Koliken, Fieberzuständen und Entzündungen, die auf Bleivergif- tungen und übermäßigen Alkohol- konsum zurückzuführen waren. 1796 machte sich Beethovens Schwerhörigkeit bemerkbar, 1815 musste er seine Konzertauftritte beenden, ab 1818 war er taub, komponierte aber weiter. In seinen späten Jahren litt Beethoven an einer Leberzirrhose, die am 26. März 1827 zu seinem Tod führte.

Das Museum Das Beethoven Museum wird am 25. November in 1190 Wien, Probusgasse 6 eröffnet, es ist von Dienstag bis Sonntag 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt: Erwachsene 7 €, für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist der Eintritt frei. An jedem ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt für alle BesucherInnen frei. Das Beethoven Museum wird vom Wien Museum betrieben, Kuratorin ist Lisa Noggler-Gürtler, Gestalter: Peter Karlhuber.
Dem Beethoven Museum ist ein Vortragssaal angeschlossen, in dem Matineen, Lesungen und Konzerte stattfinden werden.

(kurier) Erstellt am
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