Dresden: Krieg im Museum

Nach siebenjährigem Umbau öffnet in Dresden eines der größten Militärmuseen der Welt. Nicht nur architektonisch ein großer Wurf.

Ab 15. Oktober ist die neu konzipierte Dauerausstellung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr für  Besucher geöffnet. Für über 60 Millionen Euro hat der US-amerikanische Stararchitekt Libeskind das Gebäude umgebaut: Ein Riesenkeil aus Metallgitter bricht die klassizistische Fassade des einst größten deutschen Arsenals. Dieses stammt aus 1865, als Deutschland zur Großmacht aufrüstete und damit drei Mal Europa ins Unglück stürzte. 

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Bild: Militärhistorisches Museum Dresden: Mit dem "Libeskind-Keil" sicher das markanteste unter den größten. Vom obersten Eck dieses Keils blickt man auf Dresden und auf den Punkt, wo die alliierte Bombardierung 1945 begann – und die großdeutschen Träume in tiefstem Elend endeten. Mit dem Keil, dem inneren Totalumbau des vorderen Teils des Arsenals und dessen extrem kreativer Ausstattung liefert der US-Stararchitekt Daniel Libeskind ein neues Meisterstück ab. Kongenialer – und teurer – kann man ein Museum heute kaum gestalten. Auch wenn Libeskinds Expressivität, wie bei seinem Jüdischen Museum in Berlin, das Objekt dominiert. Wie er das aber tut, ... ... ist so sehenswert wie die 10.500 Exponate. 

Bild: Sowjetische Militärrelikte Diese reichen von der größten erhaltenen Steinbüchse aus ca. 1400 bis zum in Afghanistan beschossenen Bundeswehr-Jeep, ...

Bild: Ein in Afghanistan angeschossener Jeep der deutschen Bundeswehr. ... von skurrilen Fundstücken für Historiker und Kunstwerken zum Thema Krieg bis zu vielen persönlichen Zeugnissen von Soldaten und einem zerfetzten Totenschädel. 

Bild: Spielzeug-Militärfiguren aus Metall. Denn diese Ausstellung will nicht nur – wie andere Militärmuseen – eine Waffen- und Uniformsammlung sein, ...

Bild: Eine kleine Nazi-Figur von der Dresdner Zinnspielwaarenfabrik Georg Heyde aus dem Jahr 1933. ... die es in den alten zwei Dritteln des Haues ebenso ist. Bis hin zum Patrouillenboot im Hof oder einem Hubschrauber an der Wand. 

Bild: Ein Hubschrauber des Typs Alouette II, der als Exponat im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr ausgestellt ist. Die Alouette war bis 2007 bei der Bundespolizei, bis 2008 bei der Bundeswehr im Einsatz. Es soll "vor allem ein historisches Museum sein, mit allen Verzweigungen in die Mentalitäts-, Politik- und Kulturgeschichte", sagt Ausstellungschef Gorch Pieken: "Kein Technikmuseum, ...

Bild: Ein gegen Ende des 2. Weltkrieges in Paris erbeuteter Horch 830 BL Sedan Cabriolet der deutschen Wehrmacht, der ab Kriegsende vom französischen Präsidenten Charles de Gaulle als Dienstfahrzeug genutzt wurde. ... sondern eines, das Gewalt als historisches Phänomen thematisiert, erfahrbar für alle Menschen der Gesellschaft".

Bild: Eine originale V-2 Rakete aus dem Jahr 1944. Deshalb gibt es auch Kriegsspielzeug und vom Militär inspirierte Mode ... 

Bild: Mode im Military-Look von Vivian Westwood. ... bis hin zu Tieren (präpariert) als Hilfsmittel im Krieg. Der "Themenparcours" zeigt Besuchern sogar ihr "persönliches Agressionspotenzial". Hier ein Bild ein in Szene gesetzten Zitat des Preussischen Generals Carl von Clausewitz (1780 bis 1831): "Der Krieg ist die blosse Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln". Gerade die fesselnde Inszenierung konterkariert aber den hohen Anspruch: Sie schafft fast spielerische Distanz zur Monstrosität Krieg. Dessen Grauen zu vermitteln, gelingt nicht hinreichend, auch nicht mit den Entstellungen Gefallener.

Bild: Eine Drohne der NATO aus dem Kosovo-Krieg. Millionenfache Todesangst und unendliches Leid erschüttern hier nicht. Aber vielleicht gelingt ja noch mit den Filmen und Geschichten in den Videos des Museums die schwierige Gratwanderung zum Pazifismus.

Bild: Budeswehr-Soldaten rollen eine Elefanten-Attrappe ins Museum Auch nach dem spannenden Rundgang ist offen, ob im Land der vom Krieg schwerst gezeichneten Städte und der Tausenden daran erinnernden Denkmäler das "historische Aushängeschild der Bundeswehr" 70 Millionen Euro Steuergeld kosten muss. Dass sie Teil deutscher Geschichte ist und doch noch nicht museumsreif, glaubt man ihr auch so. 

Hier noch weitere Bilder von der Ausstellung...

Bild: Eine Zimmereinrichtung eines Soldaten der Nationalen Volksarmee der DDR, in der auch ein Bild des ehemaligen Staatsratsvorsitzenden der DDR, Erich Honecker, hängt. Gezeigt werden auch Militärspielzeuge - hier ein Sturzkampfbomber (Stuka) Ju-87 aus dem Jahre 1938. Bild: Plastikfiguren von der Firma BIG aus dem Jahr 1975. Offiziell eröffnet wird das Museum am 15. Oktober. Mit knapp 10.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche übertrifft es sogar noch das Historische Museum in Berlin.
(KURIER.at / Reinhard Frauscher, mawe) Erstellt am
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