© JKP/ Carla Meurer

Kultur
07/14/2019

Die Toten Hosen akustisch: Pauken, Trompeten und Liebe in der Luft

In der Düsseldorfer Tonhalle spielte die Band ein paar Hits, ein paar fast vergessene Songs aber auch tolle neue Titel.

„Die Akustik hier ist durch die Dachkuppel umwerfend. Wenn ihr also schief singt, ist jeder Ton zu hören.“ Tote-Hosen-Sänger Campino steht auf der Bühne der Tonhalle, einem ehemaligen Planetarium, und bereitet seine Fans augenzwinkernd auf den Abend vor.

„Mit Pauken und Trompeten“ haben die Düsseldorfer dieses Akustik-Konzert genannt. Dabei geht es, das sagt Campino auch, nicht darum, ein zweites „Unplugged“ zu machen, sondern alte Lieder wiederzuentdecken, zu sehen, was mit gewissen Hits „sonst noch so geht“ und ein paar neue Lieder vorzustellen.

 

Unterstützt werden die Hosen von fünf Streichern, drei Bläsern, einem Akkordeon-Spieler, Pianistin Esther Kim und einer Percussionistin. Sie verwandeln das schon fast vergessene „Entschuldigung, es tut uns leid!“ von 1999 in eine muntere Polka, geben „Das ist der Moment“ Reggae-Feeling und „Paradies“ Latin-Flair. „Hier kommt Alex“ erklingt gar in einer von ZZ Top inspirierten Blues-Rock-Version.

Nachdenklich

Campino, Bassist Andi Meurer, Drummer Vom Ritchie und die Gitarristen Michael „Breiti“ Breitkopf und Andreas „Kuddel“ von Holst haben sichtlich großen Spaß an diesen Arrangements. Denn die rücken die Essenz der Songs in der Vordergrund und verstärken sie – egal ob es um Humor, Lebensfreude oder Nachdenkliches geht.

 

Der eindringlichste Moment kommt trotzdem bei einem der Songs, die heute Live-Premiere feiern: Die Gitarrenballade „Schwerelos“ handelt von einer Auschwitz-Überlebenden, die sich Vorwürfe macht, überlebt zu haben, weil so viele andere das nicht geschafft haben.

Wunderbar kraftvoll sind das neue Liebeslied „Kamikaze“ und „Hier wo wir leben“, ein Hymne an Düsseldorf, die Heimatstadt der Toten Hosen. Die rocken auch ohne E-Gitarren, als wäre man auf einem Festival.

 

Aber die Hosen haben heute nicht nur eigene Songs im Programm. Rammsteins „Ohne dich“ klingt hier noch dämonischer als im Original. „Love Is In The Air“ (von John Paul Young) verwundert zunächst jeden – und wird dann genau deshalb zu einem Höhepunkt. Denn genau darum geht es bei dieser Show: Sich einmal weit außerhalb des üblichen Repertoires nach Herzenslust auszutoben.

Am Ende haben die Toten Hosen in der Tonhalle bewiesen, dass sie akustisch genauso mitreißend klingen, wie auf den Rockbühnen. Die Fans haben es ihnen mit zweieinhalb Stunden lautstarkem Gesang gedankt. Und kein Ton davon war schief.