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Literatur
08/05/2019

Die Spiegelreisende ist zu Recht in den Bestsellerlisten

Fantasy der Französin Christelle Dabos: Zwei der vier Bücher sind erschienen.

von Peter Pisa

Langsam spricht sich herum, dass Gott die Erde zerbrochen hat. In 21 Teile, die wie Inseln in der Luft treiben und Archen genannt werden.
Vielleicht war er enttäuscht, weil die Menschen schreckliche Typen sind, vielleicht hat er sich aber nicht um sie gekümmert und wurde deshalb mit der Zerstörung bestraft ... hm, von wem? Dann wäre er gar nicht allmächtig ...
Langsam spricht sich herum, dass die Französin Christelle Dabos, 39, als sie an Kieferkrebs erkrankt und an ihre Wohnung gefesselt war, eine Welt erfunden hat – so fantastisch, da bekommt man ein ähnliches Gefühl  wie seinerzeit, als Harry Potter in den Hogwarts Express stieg.
„Die Spiegelreisende“ ist ganz anders. Aber wie damals brizzelt es lustig im Bauch.

Der treue Schal

Und es ist ja nicht allein die Welt mit Himmelsburg und regierendem Hausgeist: Es sind die vielen unverwechselbaren, mehrdimensionalen Charaktere: Das zieht sich bis zum Zeremonienmeister durch. Details sind fein herausgearbeitet.
Jede Arche ist eine eigene kleine Welt, auf Anima  – grün, lebenswert, offen – wohnt Ophelia. Dicke Brille, schüchtern und leise, aber man wird sich noch wundern, was alles möglich ist.
Ophelia kann durch Spiegel reisen, und sie kann Dinge „lesen“ – das heißt: Sie liest deren Vergangenheit und kennt damit auch die Geschichte der  früheren und jetzigen Eigentümer.
Weil diese gefährliche Fähigkeit nach der Heirat auf den Partner übergeht, hat der Schatzmeister von der eiskalten Arche Pol um ihre Hand angehalten. Immerhin reist ihr Schal mit, der Schal lebt,  schlängelt sich um Ophelias Hals und Beine wie ein Kätzchen.
Kann aber notfalls Feinde erdrosseln.
Gut so, die Arche Pol ist feindselig.  Clans kämpfen intrigant gegeneinander. Bewohner verschwinden. Alles hier ist Täuschung. Eine Mauer sieht wie  Meer aus, der Regen ist  nicht nass,
Band eins „Die Verlobten des Winters“ wartet seit Frühjahr im Buchhandel. Band zwei „Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast“ ist soeben erschienen. Band drei „Das Gedächtnis von Babel“ folgt am 18. November und Band vier, eben von Christelle Dabos - Foto oben -  fertig geschrieben,  2020. Dann ist wieder ein Zauber vorbei.

Christelle
Dabos: „Die
Spiegelreisende 2 – Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast“
Übersetzt von
Amelie Thoma. Insel Verlag. 613 Seiten. 18,50 Euro.

KURIER-Wertung: **** und ein halber Stern