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Petition
03/30/2014

Die Nachwirkungen der Billeteurs-Rede

Mehr als 1.000 Unterschriften wurden für eine Wiedereingliederung des Publikumsdienstes bei den Bundestheatern gesammelt.

Bevor die Finanzaffäre des Burgtheaters sich in ihrer vollen Breite zum dominierenden Thema des Kulturbetriebes entfaltet hatte, lief die Diskussion um die vor längerem erfolgte Ausgliederung des Publikumsdienstes bei den Bundestheatern. Die vom Kulturrat in diesem Zusammenhang organisierte Onlinepetition "Bundestheater und Vordernberg: Stopp G4S!" wurde nun von 1.161 Personen unterzeichnet.

Darunter finden sich Prominente wie Elfriede Jelinek, Nicholas Ofczarek, Ursula Strauss oder Ulrich Seidl. Man werde die Unterschriften in der nächsten Zeit an die Verantwortlichen übergeben, heißt es dazu vom Kulturrat.

Die Diskussion um den Betrieb des Publikumsdienstes durch den privaten Sicherheitskonzern G4S hatte Billeteur Christian Diaz bei den Burgtheater-Jubiläumsfeierlichkeiten im Oktober 2013 mit einer aktionistischen Rede losgetreten. In Folge war auch die Rolle des Dienstleistungskonzerns bei der Auslagerung von Aufgaben zum Betrieb des Schubhaftzentrums Vordernberg kritisiert worden.

Die Bundestheater hatten daraufhin Ende 2013 angekündigt, zu prüfen, ob der Publikumsdienst wieder von den einzelnen Häusern selbst übernommen werden könne. Die Voraussetzung für eine Rückübernahme sei aber, dass man sich mit der Arbeitnehmerseite auf einen eigenen Kollektivvertrag für den Publikumsdienst einige, hatte sich Holding-Chef Georg Springer offen für eine Neuregelung gezeigt. Bei gleichen Bedingungen werde man den Publikumsdienst wieder in Eigenregie betreiben und vorhandenes Personal aufnehmen. Parallel prüft man aber auch eine vom Rechnungshof angeregte Neuausschreibung des Publikumsdienstes. Als Startzeitpunkt für die Neuregelung peile man den 1. September 2015 an.

Theaterhäuser setzen fast alle auf Eigenleistung

Neben den Bundestheatern haben in Österreich praktisch keine Theater- und Opernhäuser ihren Publikumsdienst an Private ausgelagert. Linzer, Tiroler und Salzburger Landestheater sowie die Grazer Oper wollen daran in einer APA-Umfrage auch nichts ändern. Lediglich die Vereinigten Bühnen Wien haben mit dem Ronacher ein outgesourctes Haus - und überlegen, dieses wieder in Eigenregie zu betreiben

Seit der Neuübernahme des Ronachers hat man einen Standort im Konzern, dessen Publikumsdienst wie bei den Bundestheatern vom Dienstleister G4S betrieben wird - womit VBW-Chef Thomas Drozda im APA-Gespräch nur bedingt glücklich ist. Die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen sei im Falle eines eigenen Publikumsdienstes einfach höher. "Ich habe eine große Sympathie für die Eigenpersonallösung", unterstreicht Drozda deshalb.

Ronacher zurück zur Eigenpersonallösung?

Natürlich liege derzeit der Fokus auf den Neustrukturierungsplänen für die VBW. Aber mittelfristig wolle er sich des Themas annehmen, zumal der G4S-Vertrag halbjährlich kündbar sei. Man müsse dabei natürlich konzedieren, dass die Einsparungen bei einer outgesourcten Variante im zweistelligen Prozentbereich lägen. Insofern gelte: "Man muss schauen, wie sich das budgetär darstellen lässt."

Konkret geht es also um Veränderung des Kollektivvertrages, bevor man den Publikumsdienst des Ronacher wieder in Eigenregie übernimmt: "Wenn man beim Tarifvertrag insofern etwas bewegen kann, dass es insgesamt aufkommensneutral wird, ist das sicher eine gute Möglichkeit." Der Vorteil sei, dass man ja zwei Häuser mit altem Kollektivvertrag habe, weshalb diese nicht auf das Niveau des dritten gesenkt werden müssten, sondern man sich bei einem mittleren einpendeln könne und dennoch kostenneutral bleibe.

Den Publikumsdienst von Raimund Theater oder Theater an der Wien umgekehrt auszulagern, habe er jedenfalls nicht auf der Agenda, unterstrich der VBW-Generaldirektor: "Die 80 Kollegen arbeiten hervorragend - warum soll ich die jetzt infrage stellen?"

Ländertheater wollen nicht auslagern

Auch der neue kaufmännische Direktor des Linzer Landestheaters, Uwe Schmitz-Gielsdorf, hält von der Idee eines Outsourcen wenig: "Der Publikumsdienst ist bei uns traditionell in die Theatermannschaft integriert. Das wollen wir auch in Zukunft so halten." Man könnte mit Marketingmaßnahmen gar nicht ausgleichen, was diese Mitarbeiter für eine Funktion im Kontakt mit dem Publikum erfüllten: "Das hängt viel mit der Atmosphäre zusammen - da fühlen sich die Leute anders empfangen." Die Frage laute also mithin: "Was kostet einen das Sparen?" Ein weiterer Aspekt sei überdies, dass man im Fall der Fälle gegenüber einzelnen Mitarbeitern bei einem ausgelagerten Publikumsdienst keine Weisungsbefugnis habe.

Für die kaufmännische Direktorin des Tiroler Landestheaters, Brigitte Winkler, stand eine Auslagerung des Publikumsdienstes nie zur Diskussion: "Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es da günstigere Varianten gibt." Man vernetze die Dramaturgen und das Kassenpersonal, um die internen Kräfte bezüglich des Spielplans zu schulen. Insofern seien diese wichtige Aushängeschilder des Hauses, die man nicht outsourcen wolle: "Wir haben nicht vor, daran etwas zu ändern."

Elisabeth Sobotka, Noch-Intendantin der Grazer Oper, unterstreicht gegenüber der APA: "Es gibt keine Bestrebungen, den Publikumsdienst auszulagern, denn in unseren Augen ist er fester Bestandteil des Opernteams und durch den direkten Kontakt mit unserem Publikum eine wichtige Visitenkarte des Hauses." Insgesamt umfasse dieser 38 angestellte Mitarbeiter auf Teilzeitbasis, die teils schon seit Jahrzehnten am Haus seien.

Auch der Intendant des Salzburger Landestheaters, Carl Philip von Maldeghem, will den Publikumsdienst in Eigenregie beibehalten: "Für mich ist das auch eine Frage der Identität des ganzen Theaters." Auch in Salzburg sind für das Personal alle zwei Monate Schulungen über den Spielplan angesetzt, zumal sich unter den Billeteuren viele Theaterfans fänden, die dementsprechend auf das Publikum zutreten könnten. "Mir ist es ein wichtiges Anliegen, wie der Zuschauer mit uns in Kontakt kommt", so von Maldeghem. Insofern sehe er keine Notwendigkeit, an der derzeitigen Situation etwas zu ändern: "Es läuft momentan sehr gut, und wir haben keine Reibungsfläche."

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