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Kultur
01/10/2019

Die Fantastischen Vier in Wien: Souverän den Maßstab gesetzt

Mit 11.000 Besuchern feierten die Stuttgarter Rapper in der Stadthalle zwei Stunden lang eine ausgelassene Party.

„Danke. Nicht nur für heute, sondern für alles. Dieses Jahr sind wir 30 Jahre in der Band - und ihr schenkt uns immer noch all diese Liebe und werdet immer mehr.“ 

So verabschiedete sich Michi Beck, einer der Rapper der Fantastischen Vier, Mittwochabend nach dem umjubelten Konzert des Quartetts in der Wiener Stadthalle. Tatsächlich haben Beck, Smudo, Thomas D und And.Ypsilon ihren 2017 in der Stadthalle aufgestellten Besucherrekord von 10.500 wieder übertroffen. In der nicht ganz ausverkauften Halle zwar nur um 500 Zuschauer, Riesenspaß hatte aber jeder einzelne von ihnen. Denn immer noch setzen Die Fantastischen Vier die großartigen Standards für die Bühnenperformance eines Hip-Hop-Acts, an die auch international niemand so schnell rankommt.

Das schaffen sie mit einer großartigen Band mit Gitarrist, Keyboarder und Bassist, die von zwei immer perfekt synchronen Drummern durch das Set gepeitscht wird. Diese Musiker geben den Stuttgartern nicht nur unzählige stilistische Möglichkeiten, sondern hauchen ihrem Sound auch eine unwiderstehliche Vitalität ein und bringen ihn weit, weit weg von der Sterilität jener Rapper, die nur über vorgefertigte Konserven-Beats drüber plappern. 

„Sie ist weg“ klingt funkig und soulig, „Tag am Meer“ und „Pipis und Popos“ psychedelisch-jazzig, „Ernten was wir säen“ und „Endzeitstimmung“ ist Rock, „25“ lupenreiner Disco. Dazwischen gibt es noch Boogie-Momente und die hymnisch-poppigen Refrains von Hits wie „Einfach sein“ und „Die da?“. Und thematisch mischen sich in die launigen, selbstironischen Raps über die Zusammenarbeit, die Karriere und die Partys der Vier immer wieder ernste, aber oft mit Humor transportierte politische und soziale Botschaften.

In Szene gesetzt hat das Quartett das alles mit beweglichen LED-Schirmen, die schwarz/weiß oder rot und blau leuchtend Atmosphäre geben, oder Images von glitzernden Kugeln oder strahlenden Planeten in diese Farben tauchen. Und immer wieder legen sie für die Leute in den hintersten Reihen eine Lupe auf das Bühne-Geschehen, zeigen wie Michi Beck zwischendurch einmal Gitarre spielt, Smudo mitten im Publikum unter einer Discokugel rappt und Thomas D im „Fuck Racism“-T-Shirt wie besessen herumspringt.

Nachdem beim jüngsten Hit „Zusammen“ noch Konfettiballons explodieren, es weißen Flimmer regnet und man sich wie in einer Schneekugel fühlt, verabschiedet sich auch Smudo. Nicht ganz so elegant wie Michi Beck mit „Danke, ihr Geilis“ - was wohl die Abkürzung für „Danke, ihr ward geil!“ war. Ein Kompliment, das man nur zurückgeben kann.