© Jack Bridgland

Kultur
07/24/2022

Die Band Superorganism: Von der WG zum Art-Pop-Phänomen

Das Musikerkollektiv veröffentlicht mit „World Wide Pop“ das zweite Album mit schrillem Indie-Sound

2018 waren Superorganism die berühmteste WG Europas. Die Musiker waren gerade mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum in London bekannt geworden und ihr Art-Pop-Sound, der hyperaktive Beats aus aufgenommenen Geräuschen und YouTube-Samples mit starken Melodien und satirischen, oft gesellschaftskritischen Texten paarte, ging viral.

Gerade haben Superorganism das zweite Album „World Wide Pop“ rausgebracht, das musikalisch an das Debüt anschließt. In einer WG wurden diese Songs aber nicht mehr erarbeitet, wie Sängerin und Textautorin Orono Noguchi im KURIER-Interview erzählt.

„Das mit der WG wird immer romantisiert“, sagt sie. „Wir haben uns über das Internet kennengelernt, waren da verstreut über Australien und London. Und ich war in Amerika, wo ich studiert habe. Deshalb haben wir Musik gemacht, indem wir Files hin und her geschickt haben. So kam unser erster Song zustande. Und als der erfolgreich war, gingen alle nach London. Wir zwängten uns in einem kleinen Haus zusammen, aber nur, weil wir arm waren und uns nicht mehr leisten konnten.“

Sobald mit dem weltweiten Erfolg Geld reinkam, zogen Noguchi, Harry, Tucan, B und Soul auseinander. Das bedingte, dass Superorganism auch für „World Wide Pop“ wieder getrennt voneinander arbeiteten und die Song-Files hin und herschickten.

„Das Auflösen der WG musste sein, nachdem wir zwei Jahre lang auf Tour gewesen waren und dabei permanent zusammensteckten“, sagt Noguchi. „Das war eine Zeit, die ich noch immer nicht ganz verarbeitet habe. Man kann dabei auch sehr einsam sein, obwohl man permanent viele Leute trifft – aber halt jeden Tag neue in einer anderen Stadt. Genossen habe ich den Erfolg nur, wenn wir auf der Bühne waren, und so viele Leute rund um die Welt die Texte mitgesungen haben, die ich geschrieben habe. Aber all diese Zahlen, wie oft wir gestreamt werden – das sind nur Ziffern am Bildschirm, die mir nichts sagen.“

All das verarbeitet Noguchi jetzt in den Texten des zweiten Albums – wie immer trocken, sarkastisch und mit vielen Metaphern, weil sie es nicht mag, in Texten direkt zu sagen, was sie denkt. Deshalb will sie sich auch nicht festlegen, ob Songs wie „Don’t Let The Colony Collaps“ oder „Everything Falls Apart“ politisch gemeint sind.

„Ich gehe schon immer von persönlichen Erlebnissen aus, aber dann ergibt eines das Nächste, und ein Song geht in verschiedene Richtungen“, erklärt sie. „Und ich finde ohnehin, dass Kunst immer politisch ist. Selbst wenn du sagst, du bist a-politisch, ist das schon ein politisches Statement.“

Ein typisches Beispiel dafür ist der Song „Put Down Your Phone“. Da kam sie von generellen Ängsten auf die sozialen Medien und von dort zur Kritik an Konzernen wie die von Amazon-Gründer Jeff Bezos – weil sie generell Industrien, Konzerne und deren Macht verachtet.

Wie kommt sie dann mit den Vorgaben der Musikindustrie zurecht, bei der auch die Verkaufszahlen im Mittelpunkt stehen und häufig wichtiger sind als die Kunst? 

Noguchi überlegt ein wenig. Dann beginnt sie zu lachen: „Indem ich Songs darüber schreibe, wie sehr mich die Entertainment-Industrie frustriert.“

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